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U&D 2017 Tag 2: Praktikum, Soundbrei und das gallische Dorf

Nach einem extrem chilligen Tag bin ich am Freitag am späten Nachmittag nach einer kleinen Radtour zu meinem zweiten Tag auf dem Umsonst & Draussen eingelaufen. (Mehr Bilder gibt es übrigens weiter unten im Beitrag)

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Devil May Care

Musikalisch ging es für mich mit Devil May Care auf der Draussen-Bühne los. Für die Uhrzeit ganz ordentlich besucht, die Fanbase der Band ist wohl groß, die Familienquote allem Anschein nach sehr hoch. Die vier Jungs lieferten eine super Show ab und hauten gleich zu Beginn des Festivaltages ordentlich einen raus. Machte mit gleich gute Laune.

Soundbrei U25

Weniger gute Laune machte mir Rising End. Das heißt: Die Band schon. Aber der Sound auf der U25-Bühne, wo die Rockband auftrat, war wirklich unter aller Sau. Das klang wie durch eine mit stinkenden Socken gefüllte Blechdose gespielt. Gut, dass man für die “Nachwuchsbands” vielleicht nicht das feinste Tonequipment verwendet und den Godfather of Tontechnik ans Mischpult setzt … hm … mag ich ja noch verstehen. Aber mit so einem Soundbrei tut man niemanden einen Gefallen — weder den Bands, noch den Zuhörern.

Und Rising End hätte wirklich guten Ton verdient gehabt. Seit ich die sechs zufällig mal auf dem Stadtfest in Würzburg hörte, hab ich mal ein Auge auf die Band. Doppelte Frauen-Power im Gesang und vierfache Männer-Power an den Instrumenten.

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Rising End

WüRG-Praktikum

Praktikum am WüRG-Stand.

Mein Weg führte mich dann quer über den gesamten Platz in kleine gallische Dorf noch hinter der Drinnen-Bühne. Dort haben die ganzen Musik-Initiativen & Co ihre Stände. Unter anderem die WüRG, die Würzburger Rockgemeinschaft, wo ich meinen Kumpel Simon von der Band Sasquatch besuchte, der dort Standdienst hatte.

 

Ich hab da gleich mal ein spontanes Praktikum am WüRG-Stand gemacht, hab Demo-CDs und Feuerzeuge ans Volk gebracht, Simon in seiner Pinkelpause vertreten, erklärt, was die WüRG ist, Kinder musikalisch früherzogen und mit den netten Besuchern gesasquatscht. Hat Spaß gemacht! 😀

Über die Route 88 zu den Blues Pills

Zum 30. Umsonst & Draussen hat sich eine Jubiläums-Kombo namens Route 88 gebildet, um spaßeshalber Lieder aus dem Jahr 1988 zu spielen. U&D-Veteran Hartmut Emser war als Gründervater und — erstaunlicherweise für mich — passabler Sänger mit dabei. Klar, das waren “nur” Coversongs. Aber irgendwie hatten alle so einen Spaß auf der Bühne und auch im musikalischen Können so gut, dass es wirklich ein geiles Konzert im Zirkuszelt war.

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 -Route 88

 

Vielen Leute, die ich auf dem U&D getroffen habe, fehlte dem Festival der übliche “Headliner”, also eine relativ bekannte Band. Und das ging mir auch so. Was ein wenig in die Richtung für mich ging, waren die Blues Pills, die bei uns schon am Abend davor für eine orgiastische Wortspielrunde sorgten.

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Blues Pills

Die Schweden fand ich schon gut. Wirklich. Aber irgendwie hatte ich doch mehr erwartet, was ich so im Vorfeld von den Blues Pills mal gehört habe, hatte mehr … Rumms oder was auch immer.  Ok, ich wurde wirklich gut unterhalten und habe da überhaupt keinen Grund zum Klagen. Aber ein wenig tat es mit leid, dass ich das Route 88 so bald verlassen habe, um zu den Blues Pills gehen zu können.

Nach den Schweden blieb ich noch an der Draussen-Bühne. Da spielte dann Astrid North — und wir hatten keinen synchronen Biorhythmus. So gut ich ihren Jazzpopsoul im Grunde fand, ich war an diesem Ort, zu dieser Zeit, nicht bereit für ihre Musik. Astrid, nicht deine Schuld, ein andermal vielleicht.

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Astrid North

Gefüllte Poesie und gallisches Dorf

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Pauline Füg eröffnet den Poetry Slam im Drinnen-Zelt

Eigentlich wollte ich um Mitternacht ins Drinnen-Zelt zum Poetry Slam. Das habe ich zuerst auch gemacht. Also fast. Ich war nicht im Zelt, sondern davor. Denn das Drinnen des Drinnen-Zelt war höchst kompakt mit Menschen gefüllt. Schade für mich, schön natürlich für Pauline Füg, deren Poetry Slam sich als mehr als erfolgreich zeigte.

Von seitlich draußen sah und hörte ich die Slammer leider nicht sonderlich gut, also trollte ich mich und bin wieder nach nebenan zurück ins gallische Dorf, zum Stand des unbeugsamen Immerhins neben der Palettenbühne. Und da habe ich dann bis um 2 Uhr den Rest der Nacht verbracht, mit netten, interessanten und lustigen Gesprächen mit netten, interessanten und lustigen Menschen — und Musik. Irgendwie ist dort, etwas abgeschieden zwischen Haupteingang und Drinnen-Zelt, ein kleines Festival im großen Festival. Und eine Reise wert!

Alles in Allem: Ein sehr, sehr geiler und entspannter U&D-Tag! 😀

P.S. Mein Selfie-Sammel-Projekt ging auch weiter, obwohl ich noch immer eine hohe Ausfall-Quote vor lauter Vergesslichkeit dabei habe. 🙂 Also wenn ich euch treffe und kein Selfie mit euch mache — erinnert mich daran! 😀

Umsonst & Draussen 2017 Tag 2 – Alles endet im Immerhin, auch ich.

Hier noch ein paar Bilder vom U&D-Freitag 2017

Christian Ritter: Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers

Christian Ritter: Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers
Christian Ritter: Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers

Am letzten Wochenende habe ich mal wieder ein Päckchen von Poetry-Slammer Christian Ritter bekommen, besser gesagt von der Verlagsgruppe Random House. Und im Päckchen war … ein Buch! Sein neues Buch, sein erster Roman “Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers“.

Am 1. Advent, also am 1. Dezember 2013, wird Christian Ritter beim Poetry Slam Spezial in der Posthalle in Würzburg mit seinen Kollegen auch aus dem Buch vorlesen. Los geht es um 20.15 Uhr — genau wie immer “Wer wird Millionär”

Worum geht es in dem Buch? Also, eigentlich ist es ganz einfach:

Paul, aus dessen Perspektive der Roman geschrieben wurde, ist Verkäufer in einem kleinem Tante-Emma-Laden auf dem Land, im Grunde zufrieden mit seinem ruhigen Job und dem monotonen Leben. Zu Höchstform läuft er auf, wenn er mit seinem WG-Genossen Herrn Müller “Wer wird Millionär” schauen kann. Die beiden sind Kenner und Fans der Sendung, von der sie noch keine Folge verpasst haben.

Pauls großer Traum wird wahr, als er endlich die Chance hat, selbst als Kandidat bei Günther Jauchs (das ist der Strumpfträger aus Potsdam) Sendung teilzunehmen. Doch Paul gehen die Nerven durch, als er es doch auf den Stuhl geschafft hat und die Chance auf Ruhm und Reichtum scheint verspielt. Dann kommt Herr Müller auf eine naheliegende Idee: Sie entführen einfach Günther Jauch. Gesagt, getan — doch die Entführung verläuft ganz anders, als man sich eine Entführung so vorstellt. Und die Entführungbranche boomt!

Günther Jauch öffnete die Augen.
“Was soll das?”, fragt er.
“Wir haben Sie entführt, Herr Jauch”, sagt Katja.
Günther Jauch verdreht genervt die Augen.
“Och nee. Nicht schon wieder!”, sagt er.

Obwohl ich in dieser Woche kaum Zeit zum Lesen hatte, hab ich die etwa 280 Seiten locker häppchenweise durchgelesen. Es war sogar immer nicht leicht, mit dem Lesen aufhören zu müssen, denn ich wollte immer wissen, wie absurd es denn noch weitergeht. Der Roman ist schon ein fein ersponnenes Stück Literatur. Man nimmt einfach auf dem Beifahrersitz — wegen der Beinfreiheit — in Pauls Kopf Platz und los geht es: Skurrile Personen in noch skurrileren Situationen und eine Promidichte wie sie sonst nur Boris Beckers Autobiographien erreichen.

Ein unterhaltsames Buch ohne tiefe Botschaften, dafür mit um so mehr Phantasie.

Kulturgut Pauline

Das ist mal eine steile Karriere: Kaum ist Pauline Füg — Autorin, Poetry-Slammerin und nebenbei auch Psychologin — nach Würzburg gezogen, bekommt sie auch schon zwei Seiten im “Kulturgut” der Stadt. Ulrike Schäfer — Hörer der Würzmischung kennen sie schon vom Hörensagen — hat sie für das Magazin porträtiert, nachzulesen auch in der Online-Ausgabe.

Und Pauline Füg hat auch ein Blog. Darum schreibe ich auch über sie! Ein herzliches Willkommen in Würzburg von Würzblog, Pauline, fühle dich zum Bloggerstammtisch jeden Mittwoch im Gehrings und zum nächsten großen Bloggertreffen am 12.12, eingeladen.

Und als Gutzerl das großartige Justus Jonas Liebsgedicht von Pauline Füg:

Poetry Slam und die geteilte Frauenarbeit

Die Sommerpause ist vorbei, die leicht schmelzende und cremige Poetry-Slam-Masse darf sich wieder in die Posthalle in Würzburg wagen und die sportlichste Form von Prosa und Lyrik sehen und hören.

Heute um 20.15 Uhr — und auch in den nächsten Monaten am 1. Sonntag — gibt Christian Ritter wieder den Gastgeber und lädt Nachwuchs- und Profipoeten vor das wohl ehrlichste, herzlichste und aber auch härteste Publikum diesseits des Rio Grande. Das Publikum bewertet beim Poetry Slam gnadenlos die Künstler und kürt den Gewinner des Abends. Und das Ganze für lächerliche 6 Euro Eintritt.

Wer Christian Ritter mit nach Hause nehmen will und kein Groupie ist, der kann sich zum Beispiel sein letztes Buch kaufen: “Moderne Paare teilen sich die Frauenarbeit”. Auf 147 Seiten und in 32 Kurzgeschichten gibt er Geschichten über skurrile Situationen, absurde Gespräche und wirren Gedanken zum Besten. Sehr schönes gedrucktes Kopfkino! 🙂

Aber lassen wir das Buch selbst doch über das Buch zu Wort kommen:

Hellmuth Karasek wird kommentieren: “Es ist ein kluges Buch. Ich habe es verschlungen und meiner Frau empfohlen”. Hellmuth Karasek empfiehlt sonst niemals Bücher seiner Frau! Er redet nicht mal über sie. Selbst Reich-Ranicki wird gegenüber seinem Postboten äußern: “Ich nehme dieses Buch an.”

Und ich schließe mich beiden Meinungen an! 🙂 Das Buch bei Amazon oder online bei Schoeningh kaufen. Oder noch besser: So richtig live im Buchladen. Macht noch mehr Spaß! Oder noch viel besserer: Das Buch beim Poetry Slam kaufen!

Das Ziel: Erfolglos und gefördert

Aha. Wieder was gelernt. Ist eine Veranstaltung, die von der Stadt Würzburg gefördert wird, zu erfolgreich, dann muss man die Fördergelder rückwirkend zurückzahlen.

So geschehen mit Christian Ritters Poetry-Slam, der für Highlander-Slam und Frankenslam im Mai und Juni 2010 in der Posthalle die Fördergelder wegen Erfolgs anscheindend zurückzahlen musste.

Komisches System. Das ist doch dann keine Förderung, sondern ein Darlehen, dass ab einem gewissen Umsatz zurückgezahlt werden muss. Eine Förderung sollte doch gerade den Erfolgsfall herbeiführen und -sehnen. Sonst sollten Veranstalter lieber ein bisschen weniger Werbung machen und gute Ideen entwickeln, nicht dass man am Ende noch die Förderung verliert.

Mach hinne Posthalle

Das Gezerre um die Posthalle nimmt kein Ende. Die Betreiber haben die Auflagen der Stadt zum Brandschutz bisher nicht erfüllt, die Stadt Würzburg genehmigt nun keine Veranstaltungen in der Posthalle mehr, bis die Umbaumaßnahmen abgeschlossen sind, vielleicht ist das Ganze auch noch durch den Fall Loveparade Duisburg heißer geworden. Das heißt, in der nächsten Zeit finden dort keine Konzerte statt, zumindest bis Mitte September sind dort alle Veranstaltungen abgesagt oder verlegt worden.

Also Jojo, hau rein oder tritt in die richtigen Hintern, damit das Drama um die Posthalle endlich ein glückliches Ende findet und dort wieder gute Konzerte stattfinden können!

Und noch ein paar Bemerkungen zu der Sache:

Im Mainpost-Artikel wurde Frau Bandak von der städtischen Bauaufsicht mit den Worten zitiert “[…]dass derzeit eine Gefahr für Leib und Leben der Konzertbesucher bestehe”. Nun frage ich mich natürlich, warum die Stadt bei ihrer eigenen Veranstaltung Hafensommer — da war die Posthalle Ausweichspielstätte bei schlechtem Wetter — ihre eigenen Besucher dieser Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt hat?

Hat die Posthalle jetzt schon eine Baugenehmigung bekommen oder nicht? In der Mainpost stand im Artikel sowohl

Anfang Juli bekamen die Betreiber der Posthalle in Würzburg endlich die lang ersehnte Baugenehmigung

als auch

Seit zwei Tagen erst sind die Unterlagen vollständig und die Stadt wird in der Woche die Baugenehmigung erteilen

Ich bin verwirrt und die Mainpost scheinbar auch.

So sieht es in der Posthalle in den nächsten Wochen aus:

  • Die Killerpilze am 08.09.2010 entfallen eh.
  • 03.09.2010 – Batterie Pusteblume findet heute im Immerhin statt
  • 04.09.2010 – W.W. Festival findet in den Kellerräumen/Immerhin statt
  • 05.09.2010 – Franzi Röchters fleischloser Poetry Slam — so der vollständige Name — findet im Pleicher Hof statt
  • 10.09.2010 – Mad Zeppelin/Eric Rust wird verschoben — Mist!
  • 11.09.2010 – I am Disco Rocker – ohne Liveband May68 – im Immerhin

Und dann sehen wir mal ob bis dahin alle Sprinkler funktionieren, die Geländer (welche eigentlich?) gesichert sind und Feuerlöscher durch die Halle fahren. Und sehen wir dann auch, welche Sicherheitsbaustellen die Stadt noch aufmacht. Ideen hätte ich da genug.

Poetry Slam fleischlos versteigert

Am 5. September 2010 findet in der Posthalle die Veranstaltung “Franzi Röchters fleischloser Poetry Slam” statt. Was soll denn das für ein Poetry Slam sein? Das ist nach wie vor der klassische Jeden-Ersten-Sonntag-Im-Monat-Poetry-Slam, bloß hat Slammaster Christian Ritter sich ein neues Sponsoring-Konzept überlegt und die Pünktchen bei “Der … Poetry Slam” bei ebay versteigert — Startgebot 99 €.

Gut, es gab nur ein Angebot und damit auch nicht mehr als 99 €, aber immerhin — vielleicht kommen jetzt ja Leute auch den Geschmack. Franzi Röchter, die den September-Slam ersteigert hat, wusste wohl erst nicht so recht wofür sie werben soll, hat sich dann aber für Vegetarismus und Tierschutz entschieden, daher der Name. Die Metzgerinnung hat ja im Oktober die Chance, da gegenzuhalten.

Wer sich von Franzi Röchters Werbebotschaft zuballern lassen will, der kann das am 5. September 2010 ab 20.00 Uhr in der Posthalle für 5 € tun.