Fantastique, Fantastik und der Schalldämpfer

Am letzten Freitag war ich im Tanzcafé Ludwig bei der Premiere von Balkan Fantastik — war sehr gut, musikalisch deutlich hörbarer als ich vermutet habe.

Es war auch mein erster Besuch im Ludwig nach dem absoluten Rauchverbot vom 1. August 2010. Und ich habe bemerkt, dass dadurch ein ganz neuer Beruf entstanden ist — der Schalldämpfer. Im Ludwig geht man zum Rauchen nicht auf die Straße, sondern durch ein kleines Türchen auf eine kleine Terrasse, die von sehr hohen Mauern umgeben ist. Die Mauern sind wie in einem Tonstudio mit Schaumstoff verkleidet, um Lärm zu schlucken. Getränke darf man auch nicht mit raus nehmen, dafür gibt es vor der Tür ein Tischchen zum abstellen. Damit der Anwohner, die es auch dort gibt, trotzdem nicht gestört werden, gibt es den Schalldämpfer. Das ist ein Bulle von Mann im modischen und zeitlosen Securityoutfit, der den ganzen Abend im Raucherbereich steht und charmant “Pschhhht” und “Ssssssst” von sich gibt. Damit braucht man für den Beruf nicht nur eine eindrucksvolle Statur, sondern man darf bestimmt auch nicht Lispeln, was dem Ganzen den nötigen Ernst nehmen würde. Das klappt soweit aber ganz gut und ist erstaunlich unterhaltsam.

Heute Abend kann man bestimmt den Schalldämpfer wieder in Aktion erleben, denn da ist im Tanzcafé Ludwig wieder Disco Fantastique, der große, erfahrene und sehr heiße Onkel der Balkan Fantastique. Musikalisch gibt es good old Funk, Soul & Boogaloo bis das Vinyl glüht. Um beim Rauchen daran denken: Psssssssssssssssssssssst! Aber auch nur beim Rauchen!

Pleicher Hof a cappella

Im Keller des Pleicher Hofs ist ab sofort die Musik aus. Und das Licht auch.

Am Sonntag, dem Tag des Nichtraucher-Volksentscheids, kam schon eine Mail vom Pleicher-Chef Ued, der als eine Konsequenz des Rauchverbots in Clubs, dass der Laden dadurch “vermutlich bald wieder in die drohende Insolvenz” geschickt würde. Und am Montag war dann kommentarlos auf der Website zu lesen, dass es ab sofort keine Musikveranstaltungen im Pleicher Hof geben wird. Warum und wieso wurde bei Kalimba und Kampfkoloss gerätselt.

Bei Facebook gab es heute kleine Einblicke, port01 zitiert den Pleicher Hof mit den WortenIch habe eben vom Ordnungsamt der Stadt Würzburg einen Bescheid erhalten, der uns alle discoähnlichen Veranstaltungen untersagt und uns zum sofortigen Abbau der Licht und Tontechnik auffordert. Der Einsatz eines sog. Discjockeys ist uns verboten.

Harter Tobak! Ob das Ordnungsamt von sich aus aktiv geworden ist, ob sich das Maritim beschwert hat , ob die BIWA dahintersteckt oder sonst wie  — zumindest hat der Pleicher nun ein immenses Problem! Allein durch das Café wird sich der Pleicher Hof wohl nicht lange finanzieren lassen.  Jetzt kann Ued natürlich Unplugged-Lesungen oder Klöppelkurse im Keller anbieten, aber damit wird wohl auch nicht sehr viel Geld zu machen sein.

Ja, vor dem Pleicher war nachts schon gern mal viel los, da hat die neue und umstrittene Preispolitik auch nicht viel geholfen. Aber wenn ich nachts durch Würzburg laufen und am Odeon, oder öfters, da auf dem Heimweg, am Studio vorbeikomme — da ist auch viel los vor den Discos. Da bin ich aber mal gespannt, wann das Odeon oder das Studio ihre Lautsprecher rausreißen müssen. Wobei, wenn ich ehrlich bin, sehe ich die Gefahr da eher gering. Die können wenigstens sagen, sie haben gutbezahlte Türsteher, die eben vor der Tür stehen. Ob es deswegen leiser ist … ich weiß nicht so recht. Aber so ein kleiner Schuppen wie der Pleicher Hof kann sich eben kaum mal Türsteher leisten — die Mainstream-Disco-Lobby mit dem dicken Geldbeutel wird es also vermutlich noch länger geben.

Zumindest ist nun eine kleine — ob man sie “alternativ” nennen will muss jeder selbst entscheiden — Disco und ein Konzertsaal lahm gelegt — und eventuell sogar zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Ob durch die Verschärfung des Nichtraucherschutzes oder das Oberwasser, das die BIWA nun haben wird, weitere folgen werden, das werden wir sehen, mit der Disco Fantastique musste ja kürzlich auch eine Veranstaltung auf Zimmersuche gehen.

Die Innenstadt mag nun vielleicht ein bisschen leiser sein, aber dem Image- und Wirtschaftsfaktor Kultur- und Nachleben hat diese Aktion auch einen Schlag versetzt.

Vielleicht werden ja noch ein paar Hintergründe dieser Ordnungsmaßnahme ans Licht kommen. Bis dahin: Bleibt abends daheim, setzt die Kopfhörer auf und tanzt zu naturtrüben Apfelsaftschorle und Salzstängchen. Aber nicht so laut schlürfen und knuspern!

Die Disco Fantastique beendet den Sommerurlaub

James Brown gives you dancing lessons

Dieses Video ansehen auf YouTube.

So, bis zum Freitag müssen das alle drauf haben!

Denn nach einer Sommerpause von gefühlten Jahrzehnten lässt die Disco Fantastique dann wieder die Plattenteller eiern. FSB — Funk, Soul & Boogaloo bis die Socken qualmen. Nein, wenn die Socken qualmen muss man vor die Tür, denn im Keller des Standard herrscht Rauchverbot. Kein Schwitzverbot, was bei der Disco Fantastique auch unmöglich durchzusetzen wäre.

Wer sich übrigens wundert, warum auf der Website des Standard schon das Dezember-Programm zu sehen ist — es handelt sich um das Programm Dezember 2007!

Rauchende Singles — und auch Nichtsingles

Eine neue erotische Ära wurde uns Rauchern für die Zeit des Rauchverbots versprochen, sogar ein neue Wort tauchte aus dem Nichts auf, das Smirting. Rauchen und Flirten auf einmal; two in one. Das klang ja alles ganz toll, nur hat keiner an den Winter gedacht. Wenn man mit Mühe und Not beim Rauchen die eigene Körperwärme bei sich halten kann, ist an einen potenziellen Austausch von Körperflüssigkeiten gar nicht zu denken. Es scheint der Masterplan zu existieren, die Raucher an der Fortpflanzung zu hindern.

Um die Blutlinie der Tabaksüchtigen zu sichern, hat sich das Tiepolo in Inneren Graben die “Rauchende Single Party” eingeführt. Ab dem 5. März 2008 darf jeden Mittwoch ab 20.00 Uhr im Keller des Hauses geraucht werden. Und geflirtet. Oder auch nicht geflirtet. Hauptsache, es wird geraucht. Wie im Veranstaltungshinweis zu lesen ist:

Auch für Nicht-Singles
Aber nichts für Nichtraucher!!!

Der Abend ist für eine geschlossene Gesellschaft, Reservierung telefonisch unter 0931/56163. Ob man reservieren muss?

Dass ich als verheirater Mann mich darauf freue, zu dieser Singleparty mal hinzugehen, werden wohl nur Raucher nachvollziehen können.  Rauchen in geschlossenen Räumen … kaum noch vorstellbar.

Duftende Disco

Oh, der WLAN-Router geht mal wieder, aber wer weiß wie lange, darum schnell was schreiben.

Selbst heute am Sonntag habe ich noch den Pullover vom Freitag an, obwohl er mit mir ins CU gegangen ist und danach ins Standard zur Disco Fantastique. Und in den letzten Jahren hätte man den Pullover nach ein paar Stunden im Keller des Standards für mehrere Wochen in den Proberaum einer Fabrik für Erfrischungtücher hängen dürfen, bevor man überhaupt wagen konnte, ihn in die Waschmaschine zu stecken. Ich gebe zu, das ist wirklich ein großer Vorteil des Rauchverbots in Kneipen und Discos.

Ich habe schon gelesen, dass nun in der rauchfreien Ära dafür andere vergessene Düfte wieder zum Vorschein treten — und so war es auch. Es hat Dank vieler tanzfreudiger Besucher (es war schließlich Jubiläumsparty, yeah! :-)) und einer niedrigen Decke hat es unglaublich nach Schweiß gerochen. Und mindestens ein größeres Grüppchen war vorher beim Inder essen.
Unangenehm für den Augenblick, aber zum Glück hängen sich diese Gerüche nicht so in die Klamotten. Also: weg mit den Zigarettenautomaten in Discos und her mit den Deoautomaten.

Gott sei Dank ist mit dem Rauchverbot kein Rauschverbot einhergegangen, darum bin ich auch nach einem missglücktem Versuch, mal wenigstens kurz noch das Immerhin zu besuchen, nach Haus gegangen — beinahe nach Flieder duftend … 🙂