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Kein Tanzverbot an Fronleichnam

Liebe tanzwütige Googlenutzer!

Es freut mich, dass ihr auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob an Fronleichnam — also morgen — in Bayern Tanzverbot herrscht, scharenweise auf die Seiten des Würzblog strömt. Und ich kann euch beruhigen: Fronleichnam ist in Bayern kein stiller Feiertag! Wir wären doch nicht so verrückt und würden das Bloggertreffen auf einen Tag legen, wo wir nicht wieder bis zum Morgengrauen in einer Kneipe und/oder Disco in Würzburg herumhängen können (wobei Airport, Studio und Odeon ausscheiden — aus Gründen!).

Best of Suchbegriffe dazu:

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Die Googles Toleranz gegenüber Rechtschreibfehlern wird den Deutschlehrern in den nächsten Jahren noch viel Nerven kosten.

Planetenfrage

Es ist CSD-Wochenende! Wenn ich an den ersten richtigen Christopher Street Day in Würzburg denke, muss ich schon arg im Gedächtnis kramen — immerhin ist das schon 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, fand er am Vierröhrenbrunnen statt, an dem sich ein kleines Häufchen Menschen jeglicher sexueller Neigung getroffen hat. Und das Wetter war glaube ich nicht so toll.

Das Wetter ist auch in diesem Jahr wieder nicht so toll — so wird der Regenbogen gespannt über die Jahre. In Sachen Gleichberechtigung für Schwule und Lesben ist in den 10 Jahren viel passiert. Am Montag vor 10 Jahren ist das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft getreten, mittlerweile dürfen Homosexuelle auch im Trausaal heiraten und so bleibt “nur” noch die Punkte Steuer und Adoptionsrecht, um die gekämpft werden muss.

Ich habe bis heute nicht, aber auch gar nicht verstanden, warum man überhaupt für eine Gleichstellung und für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben kämpfen muss. Es ist ja nicht so, dass hier Leute eine Weltanschauung oder Überzeugung bewusst gewählt haben, mit der sich der Rest der Gesellschaft schwer tut. Hier geht es um das menschliche Sein, darum, dass Menschen so sind wie sie sind. Jeder Mensch hat eine Augenfarbe, mit der er geboren wird. Seine oder ihre Fingernägel wachen in einer eigenen Geschwindigkeit. Manche sind groß, manche klein. Andere haben angewachsene Ohrläppchen oder können die Zunge rollen (ich kann’s!). Und manche fühlen sich zu Frauen hingezogen, und andere zu Männern — oder zu beiden. Und das eigene Geschlecht hat damit wenig zu tun. Ok, Männer sind im Durchschnitt größer als Frauen. Und die meisten Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen. Aber warum sollte ich auf die Idee kommen, kleine Männer zu diskriminieren? Oder Frauen, die Frauen lieben? Das würde doch überhaupt keinen Sinn ergeben. Es geht hier nicht mal um Toleranz, sondern um ein Akzeptieren auf einer viel tieferen und existenzielleren Ebene.

Und so bin ich in jedem Jahr auf dem CSD in Würzburg und setze durch meine Anwesenheit ein kleines Zeichen für Toleranz (… und eine Menge Spaß hab ich natürlich dort auch! 🙂 ). Aber immer herrscht in meinem Kopf das Gefühl der Surrealität und die Frage, auf welchem Planeten ich mich eigentlich befinde — auf meinem sicher nicht.

Biggolo-Bromenade

Die Grünen in Würzburg veranstalten heute, 9. Juni 2011, um 18 Uhr einen Flashmob — mit öffentlicher Ansage — an der Leonhard-Frank-Promenade (das ist das Mainufer gegenüber des Alten Kranen). Weil dort seit letztem Jahr laut Sicherheitssatzung Alkoholverbot herrscht, laut Umwelt- und Kommunalreferent Kleiner aber Liebespaaren ein Piccolo nicht verwehrt werden soll, laden die Grünen viele “Verliebte” — wer keinen Partner dabei hat, kann sich ja ganz spontan vor Ort verlieben — ein, auf der Promenade heute ein kleines Fläschchen zu trinken.

Allerdings Fläschchen mit Wasser statt Sekt, was bei Facebook nachträglich nochmal klargestellt wurde. Damit verliert die ganze Aktion in meinen Augen deutlich an Biss und der Bezug auf Kleiners mündliche Piccolo-Klausel ist auch nicht mehr wirklich da. Irgendwie hat die Grünen da im letzten Moment scheinbar der Mut verlassen.

Mal sehen wie viele da anstoßen werden und womit.

Würzblog-Bilderrätsel #47

Würzblog-Bilderrätsel Nummer 47: Auf dem Bild zu sehen ist der Innenhof der Zentrale einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Es gibt Parkplätze, Pflanzen, einen kleinen Teich. Und die Architektur sorgt außerdem dafür, dass man im Freien steht, ohne bei Regen nass zu werden. Raucher freuen sich in den Unterrichtspausen besonders darüber.

Unsere Frage: Welche „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ suchen wir? In Deutschland gibt es übrigens 80 davon, die gesuchte ist für Mainfranken zuständig. Der zweite Buchstabe steht auch in der Lösung an 2. Stelle.

WueWoWas und PayPal, just good friends?

Wer einen Account bei wuewowas.de und auch einen Account bei PayPal hat, der sollte sicherheitshalber mal bei PayPal reinschauen, ob da keine ungewollten Transaktionen vorhanden sind.
Gernot von WueWeb hat vor ein paar Wochen festgestellt, dass PayPal eine Zahlung von seinem Konto an Gameforge durchführen wollte, die er nicht angewiesen hat. Nachdem er diesen Fall in dem Blogbeitrag dargestellt hat, fanden sich in den Kommentaren auch andere Leidensgenossen. Nach und nach zeigte sich, dass viele aus Würzburg kommen und dann noch, dass sie bei PayPal das selbe Passwort verwenden wie bei wuewowas.de. Es könnte also sein, dass Benutzerdatenbank bei wuewowas.de gehackt wurde und mit diesen Daten über PayPay bei Gameforge eingekauft wurde, das wäre zumindest eine Erklärung,

Das nur als Hinweis, Gernot hält euch bestimmt auf dem Laufenden. Und vielleicht sollte man einfach mal so wieder das PayPal-Passwort ändern, kann nie schaden. Und am besten kein Passwort verwenden, dass woanders in Benutzung ist.

Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof

Seit vorgestern wohnt ja Elena in Würzburg. Neee, nicht die Elena, die andere. Unsere Elena wohnt bei der Deutschen Rentenversicherung, ich vermute mal in einem Appartement in der Berner Straße 1, Inneneinrichtung und Hausmeister wurden gestellt. Mit vollem Namen heißt sie “Elektronischer Entgeltnachweis” und sie lässt sich schon gerne mal alle “einkommensrelevanten Informationen” von ca. 40 Millionen Arbeitnehmern schicken. Also wer wann wie viel verdient hat zum Beispiel, praktisch, wenn man Arbeitslosengeld oder ähnliches berechnen will. Und weil Elena noch Platz in ihrer Wohnung hat, da hat sich die Regierung gedacht, sie lagern bei ihr im Keller noch gleich weitere Daten ein. Ob der Arbeitnehmer gestreikt hat, wie viel Fehlzeiten er hatte, ob es Abmahnungen gab und so weiter.

Nicht dass diese Daten vorher nicht irgendwo zu bekommen waren, aber hey — muss das alles in Elenas Keller gebunkert werden, ohne zu wissen, ob man sie mal braucht? Und mit solchen eingelagerten Vorratsdaten ist es wie mit eingemachten Obst. Wenn man es einkocht denkt man sich, die Einmachgläser werden erst aufgemacht, wenn der Schnee einen halben Meter hoch ist. Aber letztendlich sind nach zwei Wochen 80% der Gläser schon leergefuttert. Oder wie es das Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein 2008 geweisagt hat:

Sind Daten einmal vorhanden, sind diese schnell vielfältigen Begehrlichkeiten ausgesetzt, gegen die die Betroffenen keine Abwehrmöglichkeiten haben

Elena, du kleine Datenkrake vom Heuchelhof, merk dir wenigestens ein paar Sachen: Nicht gierig werden, die Haustüre immer schön abschließen, Fenster geschlossen halten, nicht besoffen auf Weinfesten ins Plaudern kommen. Vielleicht klingel ich mal irgendwann bei dir — darf ich ja.

Wem gehört eine Stadt?

Ein Augsburger Blogger reserviert sich die Domain “augsburgr.de”, fragt sogar bei der Stadt Augsburg nach, ob die was dagegen hat, und erhält von eben dieser Stadt eine Abmahnung, bei der schon die Anwaltkosten sich auf knapp 2.000 € belaufen. Die Aufregung im Netz war groß, die Stadt Augsburg ist (deswegen?) heute zurückgerudert und hat die Abmahnung zurückgenommen — aber sie fühlt sich noch im Recht.

Neben dem Image- und PR-Desaster für die Stadt Augsburg, neben dem unsäglichen Abmahnrecht und auch neben jeglichem juristischen Namens- und Markenrecht — was passiert da eigentlich?

Hat eine Stadtverwaltung das alleinige Nutzungs- und Vergaberecht am Stadtnamen? Wohlgemerkt, es ging nicht um die Domain “augsburg.de”, da kann ich noch verstehen, dass die Kommune diesen selbst nutzen will. Aber augsburgr.de? Eine web-zwei-nullige Verkürzung von dem Wort “Augsburger”? Der Blogger ist Augsburger Bürger, ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen der Person und dem Domainnamen ist also erfüllt. Dürfen Bürger, Firmen, Organisationen nicht von sich aus den Stadtnamen verwenden? Denn wenn es bei Augsburgr anfängt, dann hört das bei der Augsburger Allgemeinen auf? Darf diese Zeitung sich so nennen? Augsburger und auch noch ganz allgemein? Darf die Domain “ich-in-augsburg.de” (noch frei) nur dem Augsburger Oberbürgermeister zugesprochen werden? Wird der Stiftung “mein-augsburg.de” jetzt die Planung eines Putschversuchs unterstellt?

Schon wurde beim Twitter-Account der Stadt Würzburg nachgefragt, wie das in Würzburg gehandhabt werden würde und es kam die rechtsunverbindliche Antwort:

Namensrecht ist wichtig!! Manchmal ist aber etwas mehr Fingerspitzengefühl besser als die Holzhammer-Methode…:)

Aber es geht mir gar nicht um die Wahl der Methoden, sondern um das moralische Recht, den Namen einer Stadt zu verwenden. Der Anspruch des Rathauses auf den Namen Würzburg hört bei mir bei wuerzburg.tld bzw. würzburg.tld auf. Bin ich der Gnade des Stadtrats ausgeliefert, um den phonetisch ähnlich klingenden Domainnamen wuerzblog.de verwenden zu dürfen? Sagt die Stadtverwaltung zu unser-wuerzburg.de “Nein, das ist nicht euer Würzburg, das ist unseres”? Oder der-wuerzburger.de? Muss Vogel Media jeden Tag zitternd zum Briefkasten gehen und hoffen, dass eine Abmahnung der Stadt die Portkasse plündert? Man muss nur mal die Würzblog-Linkliste durchgehen und findet etliche Domainnamen, die nach Augsburger Rechtsempfinden bedenklich wären.

Augsburg den Augburgrn, Würzburg den Würzburgern. Augsburg, Würzburg und andere Stadtnamen sind neben Marken auch eben einfach auch Ortszeichnungen, auf die man sich beziehen darf. Oder dürfen muss. Egal in welchen Zusammenhang. Auch wuerzburg-ist-scheisse.de (auch noch frei) muss von der Stadt ertragen werden — in Bezug auf das Wort Würzburg, nicht unbedingt in Bezug auf die Beleidigung. Genauso wie wuerzburg-ist-die-beste-stadt-auf-der-ganzen-welt.de (ebenfalls noch frei). Und ich fühle mich absolut im Recht, ein Blog unter dem Namen wuerzblog.de zu betreiben. Ich bin seit 15 Jahren Bürger der Stadt Würzburg, mit Freud und Leid. Und darauf darf ich ja wohl in dem Domainnamen Bezug nehmen.

Vielleicht war der Vorfall mal nötig um den Stadtverwaltungen wieder vor Augen zu führen, dass sich die Welt seit der Wappen-und-Wachssiegel-Zeit geändert hat. Und die Emanzipierung der Bürger auch.

E-Mail-Benachrichtigungen mit Opt-In

Findige Anwälte haben eine neue Geldquelle gefunden — das Abmahnen von den E-Mail-Benachrichtigungen, die das WordPress-Plugin “subcribe to comments” bei neuen Kommentaren verschickt. Denn hier kann man eine beliebige Mailadresse eingeben und der Empfänger würde mit “Spam” bombardiert werden.

Ich habe nun eine von Infogurke gepatchte Version des Plugins installiert. Damit müsste man zuerst — und hoffentlich einmalig — bestätigen, dass einem die Mailadresse gehört und man die E-Mail-Benachrichtigungen auch bekommen will. Ich habe es noch nicht getestet, falls Probleme auftauchen sollten, meldet euch. Im schlimmsten Fall muss ich das Plugin abschalten.

Via Hisky.