Die Sache mit dem Tanzverbot an Feiertagen

Ein kirchlicher Feiertag steht vor der Tür und im Würzblog schlagen wie jedes Mal Besucher auf, die bei Google gesucht haben, ob es an diesem Feiertag ein Tanzverbot gibt — in dem aktuellen Fall Fronleichnam an diesem Donnerstag. Positiv zu bemerken ist, dass ich in diesem Jahr viel weniger Rechtschreibfehler bei den Suchbegriffen entdeckt habe, das war schon viel schlimmer.

Vielleicht sind die Goggler ja auch etwas unsicher, da sie etwas von einer Änderung des Feiertagsgesetzes in Bayern mitbekommen haben. Aber um es vorweg zu nehmen:  an Fronleichnam gab, gibt und wird es in Bayern kein Tanzverbot geben — im Gegensatz zu Baden-Württemberg und Hessen. Dieser Donnerstag bzw. die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist für alle Nachtschwärmer gesichert.

Aber wie wird es mit dem Tanzverbot in Bayern nun weitergehen? Also: Das Tanzverbot gilt nur für stille Tage, das sind in Bayern Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Allerheiligen, den Volkstrauertag, Totensonntag, Buß- und Bettag und den Heilig Abend ab 14 Uhr.

Bisher durfte an den stillen Tag überhaupt nicht getanzt werden, das heißt, in den Discos ging um Mitternacht die Musik aus. Im Februar wurde aber nach langem Ringen im bayerischen Landtag ein Gesetzentwurf zur Änderung des Feiertagsgesetzes eingebracht, der vorsieht, dass man an den stillen Tagen — Karfreitag und Karsamstag ausgenommen – bis zwei Uhr früh tanzen darf. Zwei Stunden länger als bisher, immerhin. Das Gesetz soll vor der Sommerpause im Landtag endgültig verabschiedet werden, bis dahin gilt die alte Regelung, die allerdings keinen stillen Tag mehr berühren wird.

Den Preis für diese zwei Stunden Spaß zahlen wir  Franken Bayern übrigens mit der Möglichkeit eines Alkoholverbots auf öffentlichen Plätzen. Vielleicht wünschen wir uns irgendwann, hin uns wieder einfach früher ins Bett gegangen zu sein.

Elena, die kleine Datenkrake vom Heuchelhof

Seit vorgestern wohnt ja Elena in Würzburg. Neee, nicht die Elena, die andere. Unsere Elena wohnt bei der Deutschen Rentenversicherung, ich vermute mal in einem Appartement in der Berner Straße 1, Inneneinrichtung und Hausmeister wurden gestellt. Mit vollem Namen heißt sie “Elektronischer Entgeltnachweis” und sie lässt sich schon gerne mal alle “einkommensrelevanten Informationen” von ca. 40 Millionen Arbeitnehmern schicken. Also wer wann wie viel verdient hat zum Beispiel, praktisch, wenn man Arbeitslosengeld oder ähnliches berechnen will. Und weil Elena noch Platz in ihrer Wohnung hat, da hat sich die Regierung gedacht, sie lagern bei ihr im Keller noch gleich weitere Daten ein. Ob der Arbeitnehmer gestreikt hat, wie viel Fehlzeiten er hatte, ob es Abmahnungen gab und so weiter.

Nicht dass diese Daten vorher nicht irgendwo zu bekommen waren, aber hey — muss das alles in Elenas Keller gebunkert werden, ohne zu wissen, ob man sie mal braucht? Und mit solchen eingelagerten Vorratsdaten ist es wie mit eingemachten Obst. Wenn man es einkocht denkt man sich, die Einmachgläser werden erst aufgemacht, wenn der Schnee einen halben Meter hoch ist. Aber letztendlich sind nach zwei Wochen 80% der Gläser schon leergefuttert. Oder wie es das Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein 2008 geweisagt hat:

Sind Daten einmal vorhanden, sind diese schnell vielfältigen Begehrlichkeiten ausgesetzt, gegen die die Betroffenen keine Abwehrmöglichkeiten haben

Elena, du kleine Datenkrake vom Heuchelhof, merk dir wenigestens ein paar Sachen: Nicht gierig werden, die Haustüre immer schön abschließen, Fenster geschlossen halten, nicht besoffen auf Weinfesten ins Plaudern kommen. Vielleicht klingel ich mal irgendwann bei dir — darf ich ja.

Hast’e ma’n Schulanfänger?

Die Demonstration für den Erhalt einer 1. Klasse in der Burkarder-Schule ist schon einen Monat her. Mittlerweile gibt es auch schon 57 Anmeldungen für die Steinbachtal-Burkarder-Volksschule und einen weiteren Interessenten, damit käme man auf 58 Erstklässler. Bei dem Verhandlungen mit der Schulabteilung der Regierung Unterfranken wurde die Zahl 59 ausgehandelt. Ab dieser Zahl wird es drei 1. Klassen geben und eine davon in der Burkarder Schule. Im Moment wird es zwei Klassen geben, beide im Steinbachtal, mit 29 Schülern — was ganz schön viel ist.

Was also fehlt, ist ein einziger Schulanfänger. Schaut doch mal in allen Schubladen und unter die Betten. Oder fragt eure Eltern, ob ihr nicht noch einen geheimen Bruder habt, den sie seit 6 Jahren bei Wasser und Brot im Keller verstecken. Nun hätte er die Chance in eine Schule zu kommen, die auf jeden Fall sehr engagierte Schülereltern hat. Und das ist nie zu verachten.

Wir protestierten, auf allen Vieren

Mir klingeln noch die Ohren. Gerade eben fand in der Innenstadt eine Demonstration für den Erhalt einer 1. Klasse in der Burkarder Schule statt. Die kleine Schule an der Bastion überhalb des Cairo ist schon länger verwaltungstechnisch mit der Steinbachtal-Schule zusammengelegt und ihr Einzugsgebiet ist das Mainviertel bis hinter zur Frankenwarte.

Nun haben sich für das kommende Schuljahr ca. 56 Kinder für die Verwaltungsgemeinschaft Steinbachtal-Burkarder-Schule angemeldet, davon wollen nur 12 (angeblich mittlerweile 14) Kinder in die Burkarder-Schule, teils weil das für sie näher ist, teils weil schon Geschwister in der Schule sind oder auch beides. Nun will das Schulamt aber nur zwei Klassen genehmigen, die beide in der Steinbachtal-Schule stattfinden sollen, also zwei Klassen á ca. 28 Schüler. Für die Kinder aus dem Burkarder Viertel wird aber kein Schulbus zur Verfügung gestellt werden. Und das passt den Eltern der 12 Burkarder Kinder und einigen anderen gar nicht, sie wollen eine eigene Klasse in der Burkarder Schule, auch weil in den nächsten Jahren eh mit einem Anstieg der Anmeldungen zu rechnen ist. Und sie haben Angst, dass die Schule mittelfristig ganz geschlossen wird. Soweit das Problemfeld in aller Kürze.

Habe wir keine wichtigeren Sorgen, mag sich da manch einer denken? Doch, bestimmt, aber das ist ja kein Grund deswegen die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Und heute Mittag zogen ca. 100 Kinder, Eltern und Unterstützer aus dem Mainviertel mit 1500 Unterschriften laut lärmend zum Würzburger Rathaus. Dort wurden die Unterschriften Frau Beckmann in Anwesenheit von Frau Schäfer und Herrn Al Ghusain überreicht. In der akustisch schwierigen Diskussion (viele Kinder mit Pfeifen und Trommeln!) kam heraus, dass die Stadt natürlich nur das Beste will (welch Überraschung), teilweise nicht zuständig ist (welch Überraschung) und das es bei der ganzen Sache einige Kommunikationsversäumnisseâ„¢ auf Seiten der Stadt, Schulamt, Regierung und Schulleitung gab (welch Überraschung). Wer jetzt wie, was und warum falsch oder richtig gemacht hat, kann ich kaum noch sagen und unterscheiden.
(Nebenbei bemerkt: Es ist gut zu wissen, dass der Ohrwurm “Wir protesieren, auf allen Vieren” nach wie vor auf Platz Eins der Demo-Charts zu finden ist ;-))

Ich habe keine große Ahnung schon Schulpolitik und noch weniger Ahnung vom Schulwesen in Würzburg, in dessen Genuss ich nie kam. Aber ich finde es schlimm, dass immer mehr kleine Stadtteilschulen geschlossen bzw. zusammengelegt werden. Ganz besonders bei Grundschulen.
Ich bin damals in die Grundschule gegangen, die mir am nächsten war. Dort waren nur Kinder, die auch nicht weit weg von mir wohnten. Man kannte sie schon vom Spielplatz, man kannte teilweise ihre Eltern und meine Eltern kannten sie. Es war für den Beginn meiner Schulzeit ein soziales Umfeld, das ich gewohnt war. Und das hätte ich nicht missen wollen.
Später, im Gymnasium, war das natürlich anders. Aber da war ich selbst schon mobiler in der Stadt, durfte schon längere Strecken zu Freunden mit dem Fahrrad fahren und weider daheim sein, wenn die Straßenlaternen angehen. Aber in der Grundschule war das alles noch recht vertraut.

Eine Stadtteilschule hat direkten und indirekten Bezug zu dem jeweiligen Stadtviertel und wird wiederum von diesem beeinflusst. Und eine Beschneidung der Schule ist auch immer eine Beschneidung des Viertels. Wenn es keine Grundschule in der Nähe gibt, dann ist es für junge Eltern weniger attraktiv dahin zu ziehen. Dadurch leidet der Einzelhandel vor Ort, die Leute ziehen weg, der Stadtteil verödet und schon bald brennen die Mülltonnen auf der Straße.

Ich übertreibe maßlos? Stimmt! Aber man muss als Staat oder Stadt nicht jammern, dass die Kindern gerade in jungen Jahren ein solideres soziales Umfeld brauchen, wenn man mit solchen Aktionen das Gegenteil bewirkt. Und auch eine Stärkung des altehrwürdigen Mainviertels ist — gerade im Leonhard-Frank-Jahr — bestimmt nicht verkehrt.

Bilder der Demostration hier.

Ein Unterfranke in Berlin?

Nach der überraschenden Ankündigung von Franz Müntefering, den Posten als SPD-Parteivorsitzender aufzugeben, kommt die nächste Personalmeldung aus Berlin. Edmund Stoiber wird nicht als Wirtschaftsminister nach Berlin gehen, er bleibt Ministerpräsident von Bayern. Als Nachfolger für den Ministerposten ist jetzt Michael Glos im Gespräch.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch lange dauern wird, bis die neue Regierung fertiggestellt ist – und zwar mit völlig anderer Besetzung wie geplant. Oder sogar anderen Parteien.

Ob Michael Glos die Tradition der unterfränkischen Minister fortführen wird und sein eigenes Ministerium auflöst, wie einst Wolfgang Bötsch?