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Theaterfest, losgelöst

Zwischen Arbeit und Urlaub ist mir völlig entgangen, das heute das Theaterfest in Würzburg ist. In meinem Hirn ist über Jahrzehnte eingebrannt — Theaterfest ist, wenn Stadtfest ist. Und das Stadtfest war ja schon am vergangenen Wochenende.

Doch das Mainfranken Theater bricht in diesem Jahr mit dieser Tradition. Was ich für eine gute Idee halte — das Theaterfest ging immer ein bisschen im Trubel des Stadtfests unter.

So ist heute am Sonntag, 25. September 2016, ab 12.30 Uhr das Theaterfest vorm und im Mainfranken Theater in Würzburg. Da hängen Schauspieler und Musiker herum, Stücke werden vorgestellte, es gibt Workshops, Essen, Trinken und Musik.

Und für mich mal wieder eine Gelegenheit, das Theater zu besuchen — sehr oft war ich nicht drin, wie ich zugeben muss.

Sommertheater am Schützenhof: Franggnstein

Wie bei jedem neuen Programm beim Sommertheater am Schützenhof darf der Bloggerstammtisch zu Gast bei der Generalprobe sein. Bei einem kleinen Picknick haben wir uns am Mittwoch das neue Programm “Franggnstein” angeschaut.

Tanz im Körperteile-Markt
Tanz im Körperteile-Markt

Gut, das Stück hält sich nicht so ganz an die Romanvorlage von Mary Schelley. 😉
Aber es hat einen monstermäßigen Spaß gemacht. Ein für Unterfranken besonders gruseliges Geschöpf aus der Retorte, eine Tochter Frankensteins, die direkt einem Steampunk-Comic entstiegen scheint und singende Gehirne — so kann man über den Dächern Würzburgs einen lustigen Abend verleben. Und sogar der Fickificki-Zwerg aus Drachengold hat einen ganz kurzen Cameo-Auftritt. 😉

Martin Hanns, Birgit Süß, Heike Mix und Georg Königer.
Martin Hanns, Birgit Süß, Heike Mix und Georg Königer.

Glücklicherweise verlieren sich die vier Schauspieler — Birgit Süß, Heike Mix und Georg Königer und neu dabei und sehr gut Martin Hanns — nicht in Albernheiten, sondern schwenken hin und wieder mal in das Genre des politischen Kabaretts ein. Und diesmal wird auch viel Gesungen, mit ein paar Ohrwürmern muss man nach dem Abend schon leben können.
Nach einem unterhaltsamen aber noch recht ruhigen Einstieg nimmt das Stück ordentlich Schwung auf und macht wirklich Spaß!

Blöderweise kann ich hier gar nicht so viel über den Inhalt des Stücks verraten — das würde einfach zu viele Gags vorwegnehmen. Und das wäre doch schade! 🙂

Ach ja: Moggadodde hat sich auch köstlich amüsiert. 🙂

Das Stück wird noch bis Mitte August immer von Dienstag bis Samstag ab 20.30 Uhr gespielt — wenn es nicht regnet. Die Karten kosten im Vorverkauf 20 Euro (ermäßigt 18 Euro) und an der Abendkasse 23 Euro (21 Euro). Mehr Infos gibt es auf der Webseite des Theaters am Schützenhof.

Experimentell und stark gespielt: Lolita strikes back

Gestern war ich im Theater Ensemble. Genauer gesagt, in der neuen alten Studio-Bühne, wo ich mir das Stück “Lotila strikes back” angeschaut habe.

Lolita strikes backNun muss ich gestehen, dass ich den Roman “Lolita” von Vladimir Nabokov nie gelesen habe und die Verfilmung von Stanley Kubrick vor über 20 Jahren gesehen habe. Darum habe ich bestimmt einige Bezüge, Verweise und Anspielungen in “Lolita strikes back” nicht erkannt.

Aber das ist in meinen Augen nicht so wichtig. “Lolita strikes back” ist eher experimentelles Theater, eine wirklich klare Handlung im klassischen Sinn gibt es dort nicht. Es werden Fragmente und Szenen aneinander gereiht, die sich mit der Lolita-Thematik beschäftigen. Von Männern, die sich fast schon poetische-erotische zu jungen Mädchen hingezogen fühlen über das Benutzen von Frauen bis hin zum brutalen und inzestuösen Missbrauch einer Tochter, der an den Fall in Österreich erinnert. Lolita strikes backUnd über allem schwebt die älter gewordene Lolita, die das Geschehen kommentiert.  Schwerer Stoff also, der dem Zuschauer in großen Textflut teilweise bunt, schrill und stellenweise absurd serviert wird. Und wer Probleme damit hat, Worte wie “Ficken” und “Fotze” vorgesetzt zu bekommen, der dürfte bei dem Stück ein paar mal zusammenzucken. Ich habe nicht gezuckt! 😉

Es war für mich ein wenig schwer, dem Stück zu folgen. Leichter ging es für mich nach etwa einer Viertelstunde, als ich nicht mehr nachdacht habe, welche Schauspielerin jetzt wen oder was genau darstellen soll — “Lolita strikes back” muss man einfach geschehen und sich mitreißen lassen. Scheinbar muss man experimentelles Theater auch als Zuschauer erst mal lernen.

Lolita strikes backDas “Mitreißen lassen” wird dem Zuschauer nicht schwer gemacht — die Leistung aller  Schauspielerinnen — Annika Bentele, Christina Miceli, Christina Strobel, Christel Riedel, Denise Wieser, Edith Saldanha und Franziska Wirth — war enorm. Ich würde mir schwer tun, Einzelkritiken zu vergeben, denn es waren nicht nur die einzelnen Künstler, die durch ihr intensives Spiel dem Stück die Wucht verliehen haben, sondern auch das Zusammenspiel des ganzen Ensembles. Da muss ich auch vor Regisseurin Karolin Benker den Hut ziehen, das aus den Künstlerinnen herauszukitzeln.

Auch wenn ich nun eine Nacht über “Lolita strikes back” geschlafen haben, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Stück inhaltlich gut oder weniger gut finden soll, vielleicht muss es sich aber immer noch setzen. Auf jeden Fall ich bin aber froh, dass ich ins Theater Ensemble bin, denn alleine die Spielfreude der Schauspielerinnen und die manchmal leicht in den Wahnsinn abgleitende Inszenierung waren es wert. Und ich bin auch froh, dass das Ensemble das Stück gestern auch gespielt hat — was nicht selbstverständlich ist, wenn auf der Bühne mehr Künstler als Zuschauer auf den Sitzen sind.

“Lolita strikes back” ist noch am 7.11., 13.11., 14.11, 08.12, 15.12. und am 16.12.2014 zu sehen. Karten kann man auch online beim Theater Ensemble reservieren.

 

Michel sucht eine zweite Ida

Michel war ein Lausejunge
aus ‘nem Dorf in Schweden.
Lauter dumme Streiche
hatte er im Sinn.

Unter seinen Streichen
litten Vater, Mutter, Ida …

Ida? Ja, Ida! Ohne Ida geht bei Michel aus Lönneberga nichts. Und vor diesem Problem steht gerade das Theater Ensemble. Die haben für ihre Sommerbühnen-Produktion zwar einen Michel, aber nicht für die ganze Zeit eine Klein-Ida.

Schaut doch mal in den Schränken, Kellern oder unter dem Bett nach, ob ihre ein kleines Mädchen habt, dass zu dem zwölfjährigen Michel-Darsteller passt, also eher etwas jünger, zumindest optisch. Schauspielerfahrung ist gut, aber nicht nötig.

Wichtig: Das Kind muss natürlich an den bisher Ida-losen Spielterminen Zeit haben, das sind der 26. / 27. Juli, der  9. / 16. / 17. / 22. / 23. / 24. August und der 12. September. Die Proben haben bereits begonnen.

Wer so ein Kind gefunden hat, der soll sich beim Theater-Ensemble in Würzburg melden:  info@theater-ensemble.net

Bunbury und ich im Efeuhof

Bunbury - Ernst sein ist allesWenn zumindest der Kalender “Sommer” anzeigt, ist es Zeit für Theater im Efeuhof des Würzburger Rathauses — ein schöner und stimmungsvoller Ort für Theater. Auch am Freitagabend war kalendarisch Sommer und zumindest regnete es nicht, darum wagte ich mich spontan zu der Aufführung von “Bunbury – Ernst sein ist alles”, inszeniert vom Theater Ensemble.

Das Stück ist eine klassische Verwechlungs- und Verwirrungskomödie aus der Feder von Oscar Wilde. Der grobe Plot: Zwei Männer erschaffen die fiktiven Personen Ernst und Bunbury, um frei und ungebunden das Leben zu genießen. Als sich deren Liebschaften mehr für die Kunstfiguren als für sie selbst interessierten, beginnen die Verwicklungen. Und es geht um den Vornamen “Ernst”, der auf die Frauen im Stück sehr anziehend wirkt. Ich habe mich beim Zuschauen gefragt, wie die Wortspiele um den Namen Ernst im englischen Original wohl lauten? Die Lösung: Im Original heißt das Stück “The Importance of Being Earnest” und kalauert mit der ähnlichen Aussprache des Namens “Ernest” und dem Wort “Earnest” für aufrichtig, ehrlich.

Das Stück lebt allgemein sehr von der ironischen und teilweise sarkastischen Sprachspielerei von Oscar Wilde — die auch in der deutschen Übersetzung –, mit der der Autor die Oberflächlichkeit und Lebensweise der britischen Oberschicht Ende des 19. Jahrhunderts aufs Korn nimmt. Eine Übertragung auf den Anfang des 21. Jahrhunderts fällt im Kopf aber nicht sehr schwer. Und wer unbedingt die Inhalte des Stücks  in die Moderne übertragen will, kann die Probleme mit den Scheinidentitäten — das “Bunburysieren” — als Anspielung auf die Schöpfung von Fakeaccounts in sozialen Medien, um gepflegt die Sau rauszulassen, verstehen. Ist aber eine gewagte These. 😉

Bunbury - Ernst sein ist alles

Ich glaube, das Stück ist nicht leicht für die Schauspieler. Nicht weil komplexe Gefühle dargestellt werden müssen — da ist “Bunbury” doch eher einfach gestrickt –, sondern weil sie den Text recht exakt drauf haben müssen. Oscar Wilde baut akrobatische Wortgefechte auf, die aber auch nur funktionieren, wenn sie genau wiedergegeben werden. Viel Platz für Improvisation bleibt da nicht.

Bunbury - Ernst sein ist allesAber am Freitag,  bei der zweiten Aufführung von “Bunbury”, klappt das ganz gut, offensichtliche Hänger gab es kaum. Michael Wagner brachte die Rolle des Lebemanns Algernon in einer leicht überdrehten Captain-Jack-Sparrow-Art gut rüber, Michael Völkl gab souverän dessen Freund Jack auf dem Weg zur Ernsthaftigkeit/Aufrichtigkeit.
Optisch atemberaubend in ihren eher an die 20er-Jahre erinnernden Kleidern war Kristina Förster, die  glaubwürdig die naiv-pseudo-tiefsinnige Gwendoline gab und sich schön zickig mit ihrer vermeintlichen Rivalin Christina Miceli in der Rolle der Cecily anlegte. Und Franziska Wirths wirkte so blasiert, arrogant und herrisch als Algernons Tante Augusta, dass ich nach der Vorstellung zweimal hinschauen musste, um die nette und sympathische Frau am Getränkestand zu erkennen.

Bunbury - Ernst sein ist allesZu den “kleinen” Rollen. Gisbert von Liebieg spielte seinen Dr. Chasuble viel zu hölzern, glücklicherweise in einer wenig tragenden Rolle.  Und ich möchte Dennis Kappelsberger, der den Butler Lane spielte, endlich mal in einer Rolle sehen, in der er keinen gefühlsarmen und kontrollierten Briten spielt — wie auch schon neulich  in “Zeugin der Anklage”. Nicht dass er das nicht gut kann, im Gegenteil, aber ich möchte einfach mal sehen, was er noch so drauf hat. Tapferkeitspunkte gab es für Co-Regisseurin Karolin Benker, die für die kurz vorher erkrankte Schauspielern der Rolle der Miss Prism einsprang und mit einem Textbuch in der Hand auf die Bühne musste. Das hat sie aber mit großer Würde getan. 🙂

So weit, so schön. Aber ein paar Wermutstropfen gab es doch. Zum einen das Stück selbst. Sehr unterhaltsam, wenn man wie ich Oscar Wildes Sprachakrobatik und -konstruktionen mag. Allerdings zum Schluss recht langatmig. Wenn endlich die meisten Verwirrungen im Stück aufgelöst sind, muss Wilde nochmal eins draufsetzen und nochmal neue Verwandtschaftsverhältnisse schaffen. Für mich hätte das Stück fünf Minuten nach der Pause schon enden können.

Bunbury - Ernst sein ist allesEin wenig schmerzt auch der Eintrittspreis. 17,50 Euro sind schon ein Wort, zumindest für meinen Geldbeutel. Klar verstehe ich, dass eine Produktion außerhalb der Heimatbühne etwas aufwändiger und teurer sind, aber ich kann mir vorstellen, dass beim Eintritt bei manchen schon die Schmerzgrenze überschritten wird. Gut, wenn ich ehrlich bin, hätte ich in der selben Zeit zum selben Preis woanders drei Cocktails getrunken, so relativiert es sich also etwas. 😉
Ermäßigt kostet der Eintritt übrigens 14,50 Euro. Günstiger ist es immer am Mittwoch, da kostet die normale Karte 14,50 Euro und die ermäßigte 8,50 Euro — der Tag also für Leute, die auf ihr Geld achten müssen oder wollen. Die Getränkepreise sind im Gegenzug allerdings wieder ganz günstig, 3,50 Euro für einen guten Bürgerspital-Silvaner und 2 Euro für ein Weinschorle.

Schön finde ich bei so kleinen Theaterproduktionen, dass man die Darsteller und Mitarbeiter nach der Vorstellung noch an der Theke treffen und mit ihnen plaudern kann. Macht mir immer Spaß — auch diesmal.

“Bunbury – Ernst sein ist alles” wird noch bis zum 20. Juli 2013 aufgeführt, immer Mittwoch bis Samstag um 20 Uhr — wenn das Wetter passt.

Gott des Gelabers und Gemetzels

My favourite tracks
Dennis Schütze plaudert mit Norbert Bertheau — und umgekehrt.

Am letzten Dienstag war ich bei My favourite tracks im Theater Ensemble. Zum Glück, denn es hat sich wirklich gelohnt. Musiktalkshow-Veteran und Blogger-Frischling Dennis Schütze hat gut gelaunt mit einem sehr unterhaltsamen Norbert Bertheau einen interessanten Abend hingelegt — und der Zuschauerraum war ziemlich gut gefüllt.

Das Nähkästchen, aus dem Norbert Bertheau plauderte, war tief. Und wenn nur  die Hälfte seiner Geschichten wirklich so passiert sind, dann hatte er ein extrem spannendes Leben gehabt. Als Begleiter von Tourneen war er mit vielen Künstlern und wenn man ihm glauben kann, dann hat er dafür gesorgt, dass die Musikindustrie auf Peter Maffay aufmerksam wurde.

Musikalisch hat er sich sehr an seine Vergangenheit als Konzertveranstalter und Tourneebegleiter gehalten — fast alle Künstler seiner Playlist kennt oder kannte er persönlich. Als “Hidden Track” gab Bertheau einen Text von Charles Bukowski zu Besten.

Aus dem Theater wurde auch über Google+ ein Livestream gesendet, doch leider hat die Aufzeichnung davon bei YouTube nur wenige Stunden überlebt. Und ich sag noch, macht während den Musikeinspielern das Mikro aus! Aber auf mich hört ja wieder keiner! 😉 Aber den Kamera-Check gibt es noch zu sehen! 😉

Gott des Gemetzels

Auf dem Männerklo des Theater Ensemble hing wunderbar in Augenhöhe ein Plakat der aktuellen Theaterproduktion der Bühne — der Gott des Gemetzels. Und beim Schoppen nach der Veranstaltung wurde mir die Ehre zugeteilt, zweimal zwei Karten für das Stück zu verlosen. Naja, was heißt verlosen — eine minimale Hirnleistung muss man dafür schon investieren. 😉

Die schwarze Komödie wurde 2011 von Roman PolaÅ„ski verfilmt, prominent mit Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und John Reilly besetzt.

Die Frage ist — wer spielte damals die Kinderrollen?

Für jeden Namen eines der beteiligten Kinderschauspieler gibt es zwei Karten für eine Vorstellung von “Der Gott des Gemetzels”, sofern noch nicht ausverkauft — damit scheidet die Premiere am 17. Januar 2012 leider schon aus, aber bis zum 16. Februar 2012 gibt es noch zwölf weitere Aufführungen.

Die Antwort bitte in die Kommentare des Blogs schreiben und gebt dabei eure E-Mail-Adresse an, damit ich die Gewinner informieren kann — die Adresse wird nicht veröffentlicht. Und bitte macht nur mit, wenn ihr auch wirklich das Stück sehen wollt. Der Rechtsweg ist überraschenderweise nicht existent.

Frankenhalle Dach

Die T-Frage

Heute Nachmittag wird es spannend im Würzburger Stadtrat. Da wird darüber diskutiert, ob und wie die Frankenhalle als Ausweichspielstätte während der Sanierung des Mainfranken Theaters genutzt werden soll. Geschätzte Umbaukosten des ehemaligen Viehmarkts: knapp 14 Millionen. Was die Sanierung des alten Theaters noch kosten soll, weiß ich gar nicht, ein paar Mille werden da aber schon auch reinfließen.

Angesichts dieser Kosten und der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren die Besucherzahlen im Mainfranken Theater deutlich zurückgehehen, stellt sich mir schon die Frage — braucht Würzburg ein so großes Theater überhaupt? Schwer zu beantworten. Leichter zu beantworten ist die Frage: Brauche ich so ein großes Theater?

Ich bin ja schon ein recht kulturinteressierter Mensch, doch mit dem Theater als Kunstform bin ich erst in den letzten Jahren wärmer geworden. Aber trotzdem muss ich gestehen — ich war bei noch keiner einzigen Vorstellung im Mainfranken Theater und es hat mir auch nicht gefehlt. In Würzburg gibt es doch etliche kleine Bühnen, auf denen Theater gespielt wird, da hatte ich nie die Notwendigkeit, in das städtische Theater zu gehen. Und ich weiß auch gar nicht ob ich das unbedingt wollte.

Bei den kleinen Bühnen und Produktionen finde ich schön, dass das alles eher ungezwungen ist. Da kann ich mich mit meinem Schoppen reinsetzen und dem Stück folgen. Und nach der Vorstellung stehe ich mit den Schauspielern vor der Tür und rauche, trinke und unterhalte mich mit ihnen. Diese Momente haben mir das das Theater viel näher gebracht, als es eine teure Produktion in einem “großen Theaterhaus” vermutlich je hätte schaffen können.

Was brauche ich also ein Mainfrankentheater, wenn ich doch das Theater Ensemble, das Theater am Neunerplatz, die Werkstattbühne, den Kunstkeller, das Cairo, das KHG-Theater oder die Hobbit-Bühne habe — plus noch ein paar Theaterbühnen, bei denen ich noch nie war. Es kann sein, dass die professionellen Schauspieler am Mainfranken Theater künstlerisch die Latte höher legen. Aber wie gesagt — es kann sein. In Berlin war ich im Dezember im ehrwürdigen Maxim-Gorki-Theater bei einer Ibsen-Inszenierung, bei der mit die meisten Profischauspieler — bekannte Namen — auch nicht gerade die Butter vom Brot gezogen haben.

Für mich muss sich die Stadt Würzburg also nicht die Mühe machen und das Mainfranken Theater sanieren und auch noch deswegen die Frankenhalle umbauen. Wobei ich gegen den Umbau der Frankenhalle zu einer Kulturhalle gar nicht mal etwas habe. So eine mittelgroße Bühne für Theater, Tanz, Lesungen, Konzerte, Kleinkunst und weiß der Teufel noch was fände ich als städtisches Angebot gar nicht mal so verkehrt. Eine Bühne für die städtischen Theaterleute und auch für “Bürgerproduktionen”.

Aber muss das Theater dann überhaupt noch zurück in das Mainfranken Theater? Sollte man den maroden Bau nicht einfach platt machen, einen schönen Platz dort anlegen (man kann ja da mal Freilufttheater spielen) und gut ist es? Von mir aus schon. Mir hat es 18 Jahre lang nicht gefehlt und das sollte sich auch in Zukunft nicht ändern.

Die unbefleckte Empfängnis eines blauen Irgendwas

Es gibt so Filme beim Filmwochenende, nach denen man sich danach erstmal fragt: “War war das denn bitte?” — und das gar nicht negativ meint. Gestern ging es mir so bei “The Immaculate Conception of Little Dizzle” (Die unbefleckte Empfängnis von Little Dizzle). Was für ein durchgeknallter Film! 🙂

Ein paar schräge Reinigungskräfte werden als unwissende Versuchskaninchen für chemisch aufgepeppte Kekse missbraucht. In bester Space-Cake-Manier leiden die Dreck- & Müll-Philosophen dabei unter Realitätsverlust und Halluzinationen. Und als ob die Trips, die sie erleben, auf der Leinwand nicht schon abgefahren genug wären — Regisseur und Drehbuchautor David Russo lässt die männlichen Protagonisten auch noch mit einem blauen Fisch (oder was auch immer) schwanger werden. Die Geburt von Little Dizzle ist schon ein außergewöhnliches cineastisches Ereignis.

Wenn man dem Film etwas ernsthaftes abgewinnen will, kann man ihn auch im Licht der Themen Wegwerfgesellschaft, Suche nach Lebenssinn, und Kritik an der Lebensmittelindustrie sehen. Aber man kann den Film einfach als wilden Trip mit tollen Schauspielern anschauen — vor allem Marshall Allman als Dory und Vince Vieluf als O.C. sind großartig. Und ebenfalls großartig ist der Soundtrack der Band, deren Namen Tilman Tränen in die Augen treiben wird: Awesome! 🙂

Little Dizzle wurde im amerikanischen Original gezeigt, ohne Untertitel. Für mich war es manchmal schon schwierig, den ganzen Slang zu verstehen. Aber irgendwie ging’s doch, der Handlung konnte ich auf jeden Fall folgen.

Leider läuft der Streifen heute beim Filmwochenende nicht mehr, aber vielleicht kommt er ja nochmal ins Central oder Casablanca.