Uhrzeit statt Minuten

Ich traue mich ja kaum noch das Thema Straßenbahn in Würzburg anzusprechen. Noch weniger die Anzeigetafeln. Das hatte ich ja erst. Und diesmal ist es auch kein wirklicher Aufreger, mehr eine Irritation.

Seit fast einer Woche gibt es keinen Straßenbahnverkehr in die Zellerau mehr, da dort ein Strommast umgefallen ist. Soweit verstehe ich das. Nun fahren hab dem Bahnhof in die Zellerau Busse statt Straßenbahnen. Völlig verständlich, klappt scheinbar auch.

Warum jetzt aber seitdem die Abfahrtzeiten für die Zellerauverbindung nicht mehr in Minuten angezeigt werden, ist mir nicht klar. Jetzt steht nur noch die Uhrzeit angezeigt, wann die Straßenbahn (Sanderau bis zum Bahnhof) oder der Bus (Bahnhof bis Mainausstraße) an der Haltestelle ankommt. Und dafür brauche ich keine hochelektronische Anzeige, da reicht mir der Zettel an der Haltestelle.

Und vor allem kommt man sich dermaßen dämlich vor, wenn man beim Warten wie gewohnt jede Minute zur Anzeige hochschaut — aber an der Ankunftszeit ändert sich nix! 🙂

WSB-Anzeige mit Uhrzeit
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Gibt es närrische Fahrpreise?

Hm. Achtundzwanzig Einzelfahrscheine würden 64,40 Euro kosten. Oder die Narren sind ganz schlau und kaufen fünf Secherkarten für 45 Euro. Vielleicht fahren sie auch nur Kurzstrecke, dann wäre das nur 33,60 Euro. Aber wenn der Würzburger Elferrat oder die Ranzengarde — oder wer immer das sein mag — umsonst Straßenbahn fahren darf, dann erkläre ich den Blogger- und Twitterstammtisch spontan zur Faschingsgilde und fahre auch umsonst. Meinetwegen auch mit einer albernen Uniform.

Bevor die Gemüter zu hoch kochen: Ich habe nicht gesehen, ob sie wirklich in die Straba eingestiegen sind. Es war viel zu kalt, um da fünf Minuten auf die nächste zu warten. Aber die Musikanten haben zumindest den Fahrplan studiert.

Narren an der Haltestelle

Narren an der Haltestelle

Narren an der Haltestelle

Öffentlicher Qualverkehr

Ich bin wirklich gern mit dem ÖPNV unterwegs. Aber diese Woche hat mich die Straßenbahn in Würzburg genervt. Mehrmals. Und kalt war es dazu.

Ich bin wirklich gern mit dem ÖPNV unterwegs. Aber diese Woche hat mich die Straßenbahn in Würzburg genervt.

Fangen wir doch mal mit dem Thema Technik an. Ich will jetzt gar nicht auf die neuen Fahrkartenautomaten eingehen, die öfters nicht funktionieren. Das Ding brauche ich einmal im Monat — Ja, Django hat Monatskarte — und da geht das schon irgendwie.

StrabaanzeigeIch rede von den Anzeigen an manchen Haltenstellen. Am Anfang dachte ich, die Dinger zeigen an, wann die nächste Straßenbahn an der Haltestelle ankommt. Mittlerweile habe ich gelernt, dass die Anzeige lediglich angibt, dass irgendwann man eine Straßenbahn kommen wird. Vermutlich.
Wenn ich hier früh in der Arndtstraße auf die Straba warte, dann wird die Minutenanzeige runtergezählt, bis die betreffende Zeile spöttisch das Blinken anfängt. Minuten lang blinkt das Ding vor sich hin, ohne das eine Bahn auch nur in Sichtweite ist. Wo verspätet sie sich denn großartig, die End- bzw. Starthaltestelle ist 800 Meter weit weg.

Noch schlimmer war es am Mittwoch. Da bin ich am Sanderring aus der Straba vom Heuchelhof ausgestiegen und habe wieder mal der Bahn Richtung Sanderau beim Abfahren zugeschaut. Die nächste Straßenbahn sollte in sechs Minuten kommen — laut Anzeige. Wohlgemerkt, das war gestern. Bei -12 Grad Celcius. Und Wind. Nach Einsteins Spezieller Relativitätstheorie vergeht die Zeit bei hohen Geschwindigkeiten langsamer. Hätte er noch eine Ganz Spezielle Relativitätstheorie nachgelegt, dann hätte er bemerkt, dass der selbe Effekt auch bei niedrigen Temperaturen eintritt.
Noch fünf Minuten, die Fingerkuppen prickeln.
Noch vier Minuten, die Nase läuft.
Noch drei Minuten, die Nase läuft nicht mehr, weil der ganze Rotz festgefroren ist.
Noch zwei Minuten und ich frage mich, ob ich überhaupt nicht eine Nase und Fingerkuppen habe.
Noch eine Minute und ich weiß, dass ich noch Nase und Fingerkuppen habe, weil die beiden beim Nasenertasten aneinandergefroren sind.
Die Anzeige blinkt, die Hoffnung auf Wärme und Wohlbefinden lässt meinen Körper erschauern. Oder ist es die Kälte? Egal, gleich wird alles gut, gleich wird alles warm. Wärme, Wärme, Wär … Moment! Was ist jetzt los? Die Anzeige ist wieder auf zwei Minuten zurückgesprungen. Warum das denn? Ist die Straßenbahn einfach wieder zurückgefahren? Hat der Fahrer etwas an der Haltestelle vorher vergessen und halt das jetzt? Kann doch nicht wahr sein?

Aber das war noch nicht alles für diese Woche …

Die Hoffnung stirbt zuletzt beim Umsteigen

Vom Heuchelhof in die Sanderau mit der Straßenbahn zu fahren, sollte eigentlich ein entspanntes ÖPNV-Vergnügen sein. Aber oft — zu oft — wird es auf den letzten Metern zu einer Adrenalinorgie zwischen Hoffen, Bangen und Ärgern.

Heute Abend ist schon wieder passiert. Ich fahre mit der Straßenbahn 5 vom Heuchelhof nach Hause. Die Straba rollt munter über die Löwenbrücke ohne einen Fußgänger anzufahren — alles war eitel Sonnenschein, und das kurz vor 20 Uhr. Keck legt sich die Bahn in die Kurve zur Haltestelle Sanderring — und ich sehe und ahne schon das Unglück. Die Straba der Linie 4 steht an der Haltestelle in Richtung Sanderau — und genau da will ich auch hin.

Obwohl ich mir aus Erfahrung der Sinnlosigkeit meiner Handlung bewusst bin, versuche ich das Unmöglich möglich zu machen. Ich springe zur Tür, hämmere noch während die Straßenbahn bremst auf den Türöffner ein, quetsche mich durch den Spalt, sobald die Tür aufschwingt und spurte wie bekloppt zur Straba, die noch an der gegenüberliegenden Haltestelle steht. Nach drei Schritten hat sich das “noch” in ein “nicht mehr” verwandelt, denn die Straba tuckert fröhlich und mit hämisch quietschenden Rädern in Richtung meiner Wohnung, nur leider ohne mich. Also bin ich zehn Minuten zu Fuß heimgelaufen, als eine Viertelstunde — oder wäre es noch länger gewesen? — auf die nächste Bahn zu warten.

Ich werde wirklich wahnsinnig! Kann denn die Straba nicht noch 30 Sekunden warten, wenn schon eine Bahn von einer anderen Linie ankommt? An so einem Kreuzungspunkt zweier bzw. mehrerer Linien wäre das absolut sinnvoll. Das wirft doch den Fahrplan nicht durcheinander!  Und der Sanderring ist die erste Möglichkeit in eine andere Linie zu wechseln, wenn man vom Heuchelhof kommt. Aber so fühle ich mich — und andere vermutlich auch, manchmal renne ich auch nicht alleine —  jedesmal völlig verarscht, liebe WVV.

Silvesterfahrplan der WVV gesucht?

Weil’s heute ständig hier im Würzblog gesucht wird: Heute in der Silvesternacht kann man in Würzburg zwischen 22.00 Uhr und Sonnenaufgang kostenlos mit den Straßenbahnen und Bussen der WVV fahren. Welche Busse und Strabas wann wohin fahren, kann man im PDF-Fahrplan der WVV nachlesen.

Also: Autos heute Nacht stehen lassen, wenn man Alkohol getrunken hat. Das gilt eigentlich nicht nur Silvester. Besoffen mit dem Auto fahren finde ich dermaßen Scheiße. Außerdem hab ich morgen Dienst, jeder Unfall macht mir nur mehr Arbeit. Und wer will das schon? Ich auf jeden Fall nicht!

Wir mögen keine Veränderungen

Als ich gestern früh an der Haltestelle Arndtstraße stand, da sah der Automat noch ganz anders aus. Über Nacht hat er ein Update erfahren und glänzt als Hightech-Touchscreen-Hochdruck-Geldeinsaug-Fahrkartenautomat. Und prompt durfte ich einer mittelalten Frau helfen, sich eine Secherkarte zu kaufen. “Jetzt ist das schon wieder anders”, sagt sie. Ich merkte an, dass es die alten Automaten doch schon lange gab. “Lange? Das waren doch höchstens 10 Jahre!”

Ok, mein Fehler! Das in Würzburg 10 Jahre ein Wimpernschlag sind und Veränderungen nur in großen geologischen Zeiträumen akzeptiert werden (“Nicht schon wieder eine Eiszeit …”), hatte ich für einen Augenblick verdrängt.

Wobei sich mir trotzdem die Frage stellt, warum die Automaten (oder zumindest der Automat) augetauscht werden? Was haben die für Vorteile — außer für den Automatenhersteller?

Auf ins Ungewisse – ohne Löwenbrücke von Grombühl zum Heuchelhof

Vom Westen her ist Würzburg durch die Sperrung des Zeller Bocks nur schwer erreichbar — und kann nach Westen nur schwer verlassen werden. Im Osten ist es durch die Teilsperrung des Greinbergs auch nicht leicht, Würzburg zu verlassen. Und nun wird noch eine Ost-West-Verbindung in der Stadt selbst gekappt — seit gestern ist die Ludwigsbrücke, besser bekannt als Löwenbrücke, bis zum 28. August komplett gesperrt.

Das trifft mich erst mal schon hart, da ich jeden Tag von Grombühl an den Heuchelhof und zurück mit der Straßenbahn fahre. Und wie mache ich das morgen? Naja, die tolle neue Website der WVV wird mir schon helfen, dachte ich. Ha!

Mich empfing eine schlecht umbrochene und layoutete Textwüste. Die Sperrung der Löwenbrücke betrifft viele Auto- und ÖPNV-Fahrer, da hätte sich die WVV schon mal mehr Mühe geben können. Und was erfahre ich auf der Seite?

“Der unterstromige Gehweg ist von der Sperrung nicht betroffen.”

Wie schön für ihn. Welcher Gehweg? Wo ist unterstromig? Wie ist wieder die Fließrichtung des Mains?

Die Straßenbahn-Linie 5 verkehrt ab Samstag, 20.08.11 bis einschließlich Sonntag, 04.09.2011 ausschließlich zwischen Grombühl und Sanderau.

Ok, schon mal eine erste brauchbare Information. Die Linie 5 fährt in der Zeit also nicht nach Rottenbauer, sondern in die Sanderau. Und wie komme ich von dort aus weiter? Diese Information wird einem nicht aufgedrängt, aber in den vielen Buchstaben finden sich das:

Rückfahrt ab Fechenbachstr.(vor dem Betriebshof Sanderau) – Königsberger Straße – K.-Adenauer-Brücke – Reuterstraße – Heuchelhof – Rottenbauer / Ersatzhaltestelle „Akaziensteige“ (nach dem Kreisverkehr). Wendefahrt über Akaziensteige – Würzburger Straße – Schleifweg nach Hst. „Rottenbauer“.

Ok! Also vor dem Betriebshof in der Sanderau fährt ein Bus Richtung Heuchelhof. Schön. Und zurück genauso. Aber wann? Wie oft? Alle 5 Minuten? Einmal in der Stunde? Wie lange ist die Fahrzeit? Und was heißt “Heuchelhof”? Fährt er die normalen Heuchelhof-Haltestellen ans? Oder hält er einmal irgendwo am Heuchelhof? Die Fahrplanauskunft der WVV ist auch keine große Hilfe, die wirft immer noch die übliche Verbindung über die Löwenbrücke aus. Vielleicht sollte ich mich an den letzten Vorschlag der Auskunft halten:

Also liebe WVV, nachdem ihr ja die Fahrpreise so schön erhöht habt, erwarte ich doch wenigstens etwas mehr Service:

  • Eine gut lesbare und klar geliederte Serviceseite für die Sperrung der Löwenbrücke
  • Eine Grafik mit den Ersatzstrecken wäre auch kein Luxus
  • Die Fahrzeiten von der Sanderau nach Rottenbauer wäre für Leute wie mich sinnvoll, die ihre Zeit planen müssen.
  • Aktualisiert mal eure Fahrplanauskunft für die Zeit
Und das Ganze bitte bis heute Abend, ich muss morgen spätestens um 10 Uhr am Heuchelhof sein.
Weißt du mehr zum Thema "Löwenbrücke"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.

Cooles WVV-One-Man-Cruisen

Die WVV hat neue Dienstfahrzeuge. Nein, keine Autos — Segways! Diese Rollatoren für Junggebliebene oder Unbedingt-jung-bleiben-Wollende. Davon hat sich die WVV drei Stück gekauft. Warum? Laut Mainpost deshalb:

Der WVV-Pressesprecherin Ulrike Stöcker zufolge birgt der Segway-Roller mehrere Vorteile: Zum Fahren gebracht wird er von Batterien, die mit Ökostrom gespeist werden, was ihn besonders umweltfreundlich macht.

Außerdem ist man mit dem Gerät mobiler als mit einem Auto, da oft nur kürzere Wege durch die Stadt nötig sind und es auch nicht allzu schwierig ist, mit der kleinen Maschine einen Parkplatz zu finden.

Umweltfreundlich, schnell durch die Stadt, keine Parkplatzschwierigkeiten — das gab es mit einem Gefährt bisher auch schon und das nennt sich … Fahrrad.

So ein Segway-Teil kosten mal so um die 10.000 €, soweit ich weiß, das macht also um die 30.000 € für den Spaß-Fuhrpark des WVV. Und vor ein paar Wochen wurde der Preis für eine Kurzstrecken-Karte der Straßenbahn von 1,15 € auf 1,20 € erhöht. Die nächsten 600.000 Fahrten gehen also für diese Technophilen-Schubkarren drauf.

“Die WVV will für die umweltschonende Fortbewegungsvariante werben.” Hallo? Das Ding braucht Strom! Und woher kommt der Strom? Von der WVV! Klar, dass die dafür Werbung machen.

Wenn jemand aus Spaß sich so ein Segway zulegen will, ok. Aber wenn ein Versorgungsunternehmen, dass unter anderem für ÖPNV und Energieversorgung in Würzburg zuständig ist, solche Teile für teuer Geld für den innerstädtischen und umweltfreundlichen Minimaldienstverkehr kauft, da darf ich doch schon mal fragen, ob es das wirklich braucht oder ob man einfach nur mal cool sein wollte.