Wiederaufbereitung – 30 Jahre AKW

Bald 30 Jahre ist es her, als die Autonome Kulturwerkstatt — das AKW — in Würzburg in der Martin-Luther-Straße geboren wurde. Und knapp Jahre ist es her, dass es starb. Der Geburtstag wird aber trotzdem gefeiert.

Bald 30 Jahre ist es her, als die Autonome Kulturwerkstatt — das AKW — in Würzburg in der Martin-Luther-Straße geboren wurde. Und knapp Jahre ist es her, dass es starb. Seitdem hat sich bisher auch kein größerer Ort für alternative Kultur in der Stadt mehr dauerhaft etablieren können.

Doch aller Trauer, allem Ärger und Frust zum Trotz wird der 30. Geburtstag des AKW gefeiert. Am 11. Februar 2012 und damit eigentlich drei Tage vor dem eigentlichen Jubiläum steigt die Party in der Posthalle — was vielleicht manchen nicht so passt, aber ich wüsste jetzt aus dem Bauch heraus auch keinen passenderen Ort. Denn es kann gut sein, dass es voll wird. Etliche der alten DJ-Heroen aus dem AKW stehen an dem Abend wieder am Plattenteller und viele der Kinder des AKW  — u.a. das WuF, der Midlife Club, Charlys Freakshow, Indie Hz — unterstützen den Abend.

Ich hoffe, es wird kein Abend voller sinnlosem Rumgeheule. Ich hoffe lieber, dass es ein Abend voller guter Musik und Spaß wird, ein Abend des Wiedersehens und möglicherweise sogar ein Abend, aus dem etwas völlig Neues entsteht. Ja, ich weiß, ein frommer Wunsch, eine naive Blauäugigkeit. Aber das Motto des Abends ist “Wiederaufbereitung”, vielleicht entsteht ein neuer Brennstab.

Ein vorläufiges Programm und mehr Informationen gibt es im akw30-Blog zu lesen.

Endspiel Herrn Gehrings gute Stube

Tja, das war’s dann. Das Gehrings in der Neubaustraße schließt. Und damit endet eine herrliche gastronomische und persönliche Ära für mich. Schon beim ersten Besuch in Herrn Gehrings guter Stube bin ich ihr verfallen, aber da konnte ich noch nicht absehen, welche Bedeutung sie für mich und die Blogosphäre in Würzburg erreichen wird.

Denn seitdem haben dort alle Bloggertreffen stattgefunden und seit April letzten Jahres jeden Mittwoch auch noch der Blogger- und Twitterstammtisch, der für mich eine große persönliche und für das Gehrings eine große finanzielle Bereicherung war.

Wo kann man in Würzburg so frisch, lecker und günstig essen? Wo wachsen einem die Bedienungen so ans Herz? Wo gibt es entspannte Livemusik? Wo gibt es ein Schwötzel (Schnitzel mit Salat und mit ohne Pommes)? Wo hat man eine entspannte Atmosphäre für eine ganz bunte Mischung an Gästen? Wo kocht eine eingefleischte eingemüsete Vegetarierin so gute Fleischgerichte? Wo gibt es Cuba Libre in den Varianten Standard, Light, Virgin, Baby und á la Chefin (unbedingt vermeiden!)?

Sicher gibt es Kneipen, die die eine oder andere Frage mit “Hier!” beantworten können, aber nirgends habe ich so ein Rundum-Wohlfühl-Paket bekommen wie in Herrn Gehrings guter Stube. Der Stammtisch macht sich nun auf die Suche nach einer neuen Bleibe, aber das wird die Suche nach dem Heiligen Gral, ich lass schon mal die Kokosnüsse klappern.

Aber Chefin Melissa will zu neuen Ufern und Aufgaben, was ich ihr mit ihren süßen 23 Jahren nicht verübeln kann. Heute Abend nehmen wir Abschied im und vom Gehrings, mit Musik, Alkohol, Tränen, geschlossener und trauernder Gesellschaft.

Doch eine letzte Chance gibt es für einen Gehrings-Besuch noch. Da die deutsche Männer-Fußballnationalmannschaft überraschenderweise ins Achtelfinale gekommen ist, wird das Spiel morgen, Sonntag, 27. Juni 2010, noch öffentlich im Gehrings gezeigt — Public Viewing also. Geöffnet ist ab 15.00 Uhr, Schluss dann irgendwann nach dem Spiel. So ist morgen also doppeltes Endspiel, denn ich glaube nicht ernsthaft daran, dass die Fußballer weiterkommen, nicht mit der Abwehr.

Aber ich hoffe, dass Melissa und all ihre guten Gehringsgeister noch sehr weit kommen und danke ihnen von Herzen für die schönen 21 Monate. Ihr werdet mir fehlen!

Gedenken und Funzeln

Gestern war der Jahrestag der Bombardierung Würzburgs, und wie meistens war ich um 21.20 Uhr am Domvorplatz und habe während des Glockengeläuts, das so lang wie das Bombardement damals dauert, an die Opfer und die Zerstörung vor 65 Jahren gedacht.

Nicht dass ich in dieser Nacht Angehörige verloren hätte, meine familiären Wurzeln steckten damals noch tief in der Arnsteiner Ecke. Aber es macht mich jedes Mal traurig und entsetzt mich daran zu denken, dass in dieser Nacht innerhalb von fast 20 Minuten 90% der Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht wurde und — noch viel, viel schlimmer — ungefähr 5000 Menschen ihr Leben verloren.
5000 Menschen, die Familie, Freunde, Nachbarn hatten. 5000 Menschen mit Wünschen, Plänen, Ideen. Das kann und darf nicht sein.
Und jedesmal am 16. März werden bei mir der Schrecken der Kriege, von denen ich nur in den Nachrichten aus weiter Ferne höre, ins Bewusstsein gerufen — dort passiert genau so das, an was wir gestern Abend gedacht haben.

In dieser Nacht im März 1945 ist meiner hobbypsychologischen Vermutung nach auch das Würzburger Trauma entstanden, die Stadt so historisch wie möglich zu gestalten. Hier wird an einem Würzburger Stadtbild festgeklammert, das in dieser Bombennacht unwiederbringlich verloren wurde. Das krampfhafte Verhindern neuerer Architektur ist für mich ein Hinweis, dass hier nach wie vor noch Trauerarbeit zu leisten ist.

Wenn ich mich über “moderne Zeiten” aufregen will, dann gibt es was Besseres — die Medien. Gestern war am Domplatz ein Kamerateam, keine Ahnung von welchem Sender. Schlimm genug, dass man bei einer Gedenkveranstaltung unbedingt filmen muss, das gibt bestimmt auch wahnsinnig interessante Bilder. Aber dass man nachts unbedingt mit einer 50.000 Watt-Funzel auf der Kamera rumlaufen muss und selbst Leute wie mich, die 15 Meter von der Kamera entfernt standen, ins Gesicht blenden muss, da setzt bei mir jedes Verständnis aus. Sollen sie halt, wenn es zu dunkel ist, mit einer Thermokamera filmen, das sieht auch lustiger aus.

Der Propeller macht die letzte Umdrehung

Morgen ist es soweit. Am 30. April 2009 geht die Ära Propeller in der Karmelitenstraße zu Ende. Ein Hauch von Großstadt auf Weltniveau, locker, entspannt, ein wenig schräg. Der Propeller kann nicht mal seinen 1. Geburtstag feiern, das Haus, in dem der/die/das Club/Kneipe/Disco/Bar/Ding sich noch bis morgen Nacht befindet, wird abgerissen, ganz oder teilweise.
Keine lustigen Abende mehr, keine unverkrampften Gespräche mit völlig fremden Personen mehr, keine abgefahrene DJs mehr — zumindest nicht dort.

Morgen heißt es also Abschied nehmen. Und das angeblich schon ab 16.00 Uhr. Bis nachts. Oder besser: bis morgens. Kränze dürfen gelegt werden und Grablichter gestellt. Ein Sorgentelefon wird es aber nicht geben, dafür Alkohol zu ertränken derselben.

Aber es Hoffnung auf Auferstehung — wann und wo auch immer.

Weißt du mehr zum Thema "Propeller"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.

Tanzen und Tränen

Heute ist der letzte Abend für das AKW. Indie-Disco. Danach gehen die Lichter endgültig aus.

Wer Abschied vom AKW nehmen will, der kann ab 23.00 Uhr hin. Tanzen ist erlaubt, Tränen auch. Für beides muss man sich nicht schämen.

Trauerfall IV — Propeller

Gestern war ich noch Mitten im Berliner Flair — und hier in Würzburg geht ein Stück Berliner Flair dem Ende zu.

Es ist ein Gerücht, aber eines von der ganz hartnäckigen Sorte und eines, das ich von vielen verschiedenen Seiten gehört habe — der Propeller in der Karmelitenstraße macht nach diesem April zu. Es war ja bekannt, dass irgendwann mal Schluss sein wird, da das Haus abgerissen werden soll. Aber trotzdem ist es traurig, wenn es dann wirklich so weit ist.

Es bleiben zwei Hoffnungen. Einmal, dass das Gerücht eine gemeine, schamlose und hinterhältige Lüge ist. Allerdings ist das nicht sehr wahrscheinlich. Und dann, dass die Jungs sehr schnell eine neue Location in Würzburg auftun und dort wieder so eine Bar/Club/Kneipe/Disco/Dings starten, die den Begriff Lockerheit neu definiert.

Trauerfall III — Die Landesgartenschau 2016

Das hat uns Bayreuth schon unsere Universität bei Google Maps gekapert, jetzt bekommt sie auch noch “unsere” Landesgartenschau.

Tja, die Vergabekommission hat sich am Freitag für Oberfranken entschieden, nun müssen wir halt das Leighton-Areal ohne diesen Zuschuss schön gestalten. Nun kann man natürlich Verschwörungstheorien spinnen, Würzburg sei zu innovationsscheu oder zu innovationsgeil. Offiziell fehlte der Kommission die Planungssicherheit für das Gelände, was ja nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Und außerdem — warum den nicht Bayreuth?

Aber 2018 ist auch wieder eine Landesgartschau. Landesgartenschauen wir dann mal …

Trauerfall II mit integriertem Happy End — der Musikbahnhof

Der nächste Trauerfall ist schon wieder aus dem Grab gestiegen — Gott sei Dank!

Der Musikbahnhof — Proberaum für unzählige Würzburger Bands und Musiker — musste seine Räume räumen. Das Gebäude, der alte Zeller Bahnhof, wurde von der Bahn verkauft, gestern wurde das nun leere Haus übergeben.

Aber sie haben schon eine neue Bleibe gefunden und der Umzug ist auch schon durch. Ich habe es jetzt nicht mehr weit, wenn ich um Gratis-CDs für Radio Würzblog betteln will, denn nun proben sie neben dem Posthochhaus am Bahnhof. Da gibt es zwar keine Heizung, man muss einfach ein bisschen wilder spielen. 😉 Und so kann wohl auch der Name des Vereins erhalten bleiben — Bahnhof ist Bahnhof.

Bleibt nur noch die Hoffnung auf eine Einzugsparty … 😉