Was weiß der schon!

Na, das wird der Verschönerungsverein Würzburg und der AK Denkmalschutz aber gar nicht gern gehört haben, was Professor Julian Wékel, Vorsitzender der Petrini-Preis-Jury, anlässlich der Preisverleihung gesagt hat.

„Mut“ war ein Begriff, den die Redner bei der Preisverleihung besonders häufig gebrauchten. Der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Julian Wékel aus Darmstadt, sprach von dem Mut, auch in einem historischen Umfeld zeitgemäße und individuelle Architektur-Lösungen zuzulassen. Nur dadurch könne man der zunehmenden Vereinheitlichung der Innenstädte entgegen wirken: „Städte stehen untereinander in einem Wettbewerb und müssen deshalb nach außen zeigen, dass sie Lebensqualität bieten“, so Wékel. (Laut Mainpost)

Zeitgemäße Architektur in einem historischen Umfeld, Ihhhhh! Naja, das kam von einem Professor für Architektur und Regionalentwicklung, was kann der schon wissen!? Oder er wurde gekauft. Oder noch besser: Er wurde als Ahnungsloser gekauft! Denn das Wissen darum, was gute Architektur und Städtebau ist, liegt ja wohl bei den Kunsthistorikern, Dr. phils, Uni-Angestellten und ehemaligen Postbeamten. Jawoll!

Würzburg ist halt Würzburg und bleibt halt Würzburg – und sonst nix

Vorgestern hat sich der Stadtrat der Stadt Würzburg — ganz vorne die CSU — dafür entschieden, der Metropolregion Nürnberg nicht mehr anzugehören. Würzburg war in diesem Zusammenschluss fränkischer Städte bisher passives Mitglied, was ja schon eine geniale Entscheidung war — Geld für etwas geben, bei dem man nicht mitmachen kann. Aber immerhin: Die Stadt spart doch glatt 7.000 € im Jahr, für das Geld kann man Flyer drucken mit denen man die Region Würzburg voranbringt.

Ich glaube ja, das Würzburg ruhig selbstbewusst auftreten kann. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass man alle Brücken, Netzwerke und Kooperationen mit Nachbarregionen abbrechen muss.Dass dieses Netzwerk nun den Namen “Nürnberg” und nicht “Würzburg” trägt — nun, das ist vielleicht auch Größe Nürnbergs geschuldet. Und vor allem: Was hätte Würzburg denn zu verlieren gehabt? Was wäre so schlimm daran, mit den mittel- und oberfränkischen Städten zusammenzuarbeiten und? Wollte die Stadt sich etwa nur die 10 Cent pro Einwohner für den Jahresbeitrag der Vollmitgliedschaft sparen? 13.300 € im Jahr?

Und wenn ich in der Mainpost lese wie Frau Miethaner-Vent von den Grünen gegen die Beitritt mit den Worten „Wir wären am Rand und damit das fünfte Rad am Wagen.” argumentiert, dann schau ich doch schon ein bisschen blöd aus der Wäsche. Was sind wir denn nun? Eingekeilt als winziger Fleck zwischen den Metropolregionen Rhein-Main, Rhein-Neckar, Stuttgart und Nürnberg — und völlig ohne Wagen.

Klar, jetzt will Würzburg sich — vielleicht — in die zu gründende Mainfranken GmbH einbringen, was auch keine schlechte Idee ist. Doch warum sich nicht auch einer größeren Struktur anschließen, das eine schließt das andere nicht aus. Auch wenn das bedeuten soll, dass sich der Würzburger gegen jegliche Genetik auch mal mit Leuten sprechen und sich auf neue Ideen einlassen muss. Aber vielleicht kommt ja eine größere Idee von gar nicht so weit her.

Ob das übersteigerte Selbsteinschätzung des Stadtrats an diesem Abend vielleicht auch daher kam, dass er in der selben Sitzung auch großstädtisch dem Vorhaben- und Erschließungsplan für den Bau eines — Haha, Nürnberg und Frankfurt zittert vor uns! — knapp über 30 Meter (!!!!!!) hohen Gebäudes in der Augustinerstraße positiv abgestimmt haben, und das nur gut zweieinhalb Jahre nach dem Wettbewerb — also quasi spontan aus dem Bauch heraus.Diese metropolitane Entscheidung hat den Stadtrat so erschöpft, dass über den eigentlichen Bauantrag erst nach der Sommerpause im September entschieden wird. Aber so ein Investor hat ja immer Zeit, ob er nun zwei oder drei Jahre wartet ist ja auch schon egal. Außerdem muss der Verschönerungsverein noch einen großstädtischen Flyer für einen Bürgerentscheid gegen den Bau drucken.

Der Bürgerentscheid würde Würzburg übrigens ungefähr soviel kosten wie fünf Jahre Mitgliedschaft in der Metropolregion Nürnberg. Die würde uns nach so einer Aktion aber wahrscheinlich auch nicht wollen.

Klettergarten Augustinerhochhaus, auch nachts geöffnet

AugustinierstraßeAugustinierstraße

War es die Kletterabteilung des Verschönerungsvereins, die eine Besetzung plante? Oder Mitglieder des Stadtrats bei einer Vor-Ort-Besichtigung? Oder wollte nur jemand nachmessen? Sicher ist nur, das heute Nacht jemand auf auf dem Hochhaus in der Augustinerstraße war und nicht wirklich wieder herunter konnte. Oder wollte. Die Frage nach Wollen oder Können nahm ihnen dann die Polizei und Feuerwerh ab.

Wer und warum — das kriegen wir auch noch raus.

Danke an Martin für die Bilder, dem die ganze Aktion den Schlaf gekostet hat.

Höhensimulation

Für alle Plan- und Maßstablegastheniker — der oberste Gerüstaufbau simulierte die Höhe und die Breite des geplanten Hochhausneubaus in der Augustinerstraße.

Wer es sich den Neubau immer noch nicht vorstellen kann, der kann ja bei der Stadt oder beim Verschönerungsverein mal nachfragen, ob man nicht ein 1:1-Modell aus Pappe bauen kann.

Mehr Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln im Bilderalbum

Man muss nur gucken

In der Mainpost stand heute ein flammender Kommentar für den zu installierenden Baukunstbeirat und für mehr Transparenz bei Stadtbaufragen. Da war auch zu lesen:

Jetzt wollen Oberbürgermeister und Stadtrat mehr Offenheit in der Baukultur wagen: Erstens sollen Basisinformationen wie Höhe und Breite eines geplanten Neubaus nicht top secret sein.  

Ein hehres Ziel, dem ich im Prinzip völlig zustimme. Aber: Die Basisinformation des Neubaus in dem als Beispiel gebrachten Hochhauses in der Augustinerstraße standen auf den Entwurfsplänen. Und die wurden öffentlich ausgestellt. Zehn Tage lang.  Das ist nicht meine Vorstellung von “top secret”.

Man muss sich halt auch für die Sachen interessieren — und nicht erst kurz vor der Entscheidung das Jammern anfangen.

Hammer und Hose

Ja lieber Würzburger Stadtrat, da hat ihr wieder mal gezeigt wo der Hammer hängt und wer die Hosen an hat. Ihr könnt euch doch nicht bieten lassen, dass der Bau- und Ordnungsausschuss einfach gegen euren Beschluss vom letzten Jahr stimmt und dem Augustinerhochhaus eine Höhe von 35,90 Meter gönnt. Ist ja bloß der Bauausschuss, was weiß der schon vom Bauen. Da muss man schon das Weltbild des Ausschusses und die Höhe des Hauses zurechtrücken — und zwar auf 33,90 Meter. Was ja immer noch 1,25 Meter höher als das jetzige Haus ist.
Aber dass das dem Investor vielleicht nicht genug sind und der Entwurf des Neubaus von 2007 auch schon höher war, das muss euch ja nicht kratzen. Wenn er nun abspringt, dann war es auch nur ein Investor von der geldgierigen Sorte. Der will bei dem Haus doch tatsächlich finanziell nicht drauflegen, das muss man sich mal vorstellen.

Aber nicht mit euch, lieber Stadtrat. Ihr habt gezeigt, wer in der Stadt die Hosen an hat. In die das Ganze vielleicht auch gehen kann.

Tiefer. Tiefer!

Habe ich nur drauf gewartet? Klar habe ich nur darauf gewartet, denn es war ja nur eine Frage der Zeit, bis sich der Verschönerungsverein zum Thema Augustinerhochhaus meldet.

Nach 79 Jahren ist ihnen aufgefallen, dass das Haus aus der Stadtsilhouette herausragt. Bei Neubau wird das nicht anders sein und es wird

[…] dadurch der Altstadt mit ihrer von Kirchtürmen geprägten Stadtsilhouette schwerer Schaden zugefügt. (laut Mainpost)

Wird zugefügt? Wenn überhaupt, dann “wurde zugefügt”. Und wir hören ja seit den 30er Jahren, dass das Stadtbild durch das Hochhaus verschandelt ist. Ne, Moment … das hab ich ja noch gar nicht gehört!?

Auch wenn ich in den Vereinsnachrichten des Verschönerungsvereins nachblättere, werde ich nicht schlauer. Im Dezember 2007 war  das alte Hochhaus (und damit auch die Höhe) zu erhalten, aber der Architektenentwurf  “eine durchaus diskutable Grundlage für den geplanten Neubau“, so wurde im Juli 2008 schon eine “eine beträchtliche Reduktion der Gebäudehöhe” gefordert und im Dezember war der Neuentwurf “ein Fremdkörper im Altstadtensemble […], wenn die bisher vorgesehen Höhe nicht reduziert wird“.

Jetzt will der Verein ein Anpassung des Neubaus an die Höhen der Nachbargebäuden. Und ich fürchte, wenn das so weitergeht, wird bis Ende dieses Jahres die Forderung ein 20 Meter tiefes Loch sein. Vermutlich wollen sie dann dort mit ihrem Vereinsheim einziehen.

Weißt du mehr zum Thema "Hochhaus in der Augustinerstraße"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.