Öffentlicher Bücherschrank im Gehrings

Standard-Disclaimer für diesen nervigen Tag: Dieser Artikel ist kein Aprilscherz!

Am Dienstagnachmittag saßen Emily, Schreibmaschine und ich in Herrn Gehrings guter Stube und ließen uns anlässlich Emilys letzter Prüfung Kaffee, Tee, Saft, hausgemachten Kuchen und Pommes schmecken. Wir saßen also so herum, laberten über dieses und jenes und landeten wie so oft und gerne beim Thema Bücher.

Buecherschrank 2Und als Lese-Junkie ist einem das verwandte Thema der Beschaffungskriminalität nicht fremd. Wo bekomme ich guten Lesestoff her? Stadtbücherei? Tauschringe? Bookcrossing? In manchen Städten gibt es ja auch so öffentliche Bücherschränke … Schweigen breitet sich am Tisch aus, als sich drei Augenpaare synchron zu dem Regal links der Theke im Gehrings wenden. Dort stehen nämlich Bücher, mehr so als Dekoelement. Aber Platz wäre dort für etliche Bücher.

Glückerlicherweise sind wir alle drei keine gebürtigen Würzburger, sonst hätten wir die Idee tot diskutiert. So aber haben wir uns gleich die Chefin geschnappt, das Ganze kurz besprochen und uns für Mittwochabend verabredet — da ist eh Blogger- und Twitterstammtisch im Gehring — um den öffentlichen Bücherschrank zu bestücken und eröffnen. Bragmadismus bur!

Und hier ist er — von der Größe noch nicht beeindruckend, aber schon fein sortiert. Platz ist auch genug, der Unterschrank ist noch leer.

Und so funktioniert der öffentliche Bücherschrank in Herrn Gehrings guter Stube

Das Prinzip ist sehr einfach.

Jeder kann sich Bücher aus dem Regal mit nach Hause nehmen, jeder kann Bücher ins Regal stellen. Einfach so. Man darf das mitgenommene Buch sogar behalten. Man darf es nach dem Lesen aber auch wieder zurückbringen — und dabei auch neue Bücher dazugesellen.
Die Öffnungszeiten des Bücherschranks sind die Öffnungszeiten des Gehrings (von daher ist der Bücherschrank nicht so ganz öffentlich).

Man muss an der Theke nichts sagen, wenn man Bücher reinstellt oder rausnimmt. Man muss auch gar nichts im Gehrings essen oder trinken — aber man wäre dumm, wenn man es nicht machen würde. 😉

Da jeden Mittwoch Blogger- und Twitterstammtisch im Gehrings ist, haben wir uns vorgenommen, ein wenig auf den Bücherschrank zu achten. Wenn Bücher ein halbes Jahr oder so unberührt im Regal stehen, dann werden wir sie vielleicht doch ans Brauchbar oder einem anderen sozialen Zweck zuführen.

Nettigkeiten

Zwar darf jeder soviel Bücher mitnehmen wie er will, aber es wäre nett, denen, die nach einem kommen, etwas Lesefutter übrig zu lassen.

Ebenso nett wäre es, nicht nur Bücher aus dem Schrank zu nehmen, sondern vielleicht auch hin und wieder ein oder mehrere Bücher ins Regal zu stellen. Das Bücherregal wird nur funktionieren, wenn ungefähr ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen herrschen wird, dann haben auch alle etwas davon.

Wenn man Bücher in den Bücherschrank stellen will, dann wäre es schön wenn es Bücher wären, die auch eine Chance auf einen Leser haben. Also nicht unbedingt den Stadtführer von Castrop-Rauxel aus dem Jahre 1952.

Die Bücher sind ins Regal gestellt worden, damit sie gelesen werden. Also nicht für eBay-Verchecker oder Analphabeten, die nur ihrer Sperrholzschrankwand einen Anschein von Kultur verleihen wollen.

Los und lesen!

Also, ran an die Bücher! Auf dass der Schrank immer gut und ständig wechselnd mit den feinsten Büchern gesegnet sei! Und wer weiß, vielleicht entstehen ja noch mehr so Bücherschränke in Würzburg. Wäre ja schön.

Weißt du mehr zum Thema "Gehrings"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.
Weißt du mehr zum Thema "Öffentliche Bücherschränke"? Dann schreibe dazu etwas im WürzburgWiki.

Es hat Plusgrade, Zeit für das Bloggertreffen

Am nächsten Mittwoch ist der 3. März, was für den langjährigen Leser ein Zeichen sein dürfte, dass wieder ein Bloggertreffen vor der Tür steht. Manch Blogger mag auch ohne diesen Beitrag zu lesen beim Bloggertreffen auftauchen, da sich Zeit — Mittwochabend — und Ort — Herrn Gehrings gute Stube — nicht von dem allwöchentlichen Stammtisch unterscheiden.

Also: Am 3.3.2010 findet ab 18.30 Uhr das Frühjahrsbloggertreffen in Herrn Gehrings guter Stube in der Neubaustraße statt. Eingeladen sind Blogger, Twitteristas, Blogleser und Freunde. Die Tagesordnung besteht wie immer aus Essen, Trinken und Labern.

Traditionell darf man sein Kommen, Nichtkommen oder seine Unentschlossenheit in den Kommentaren verewigen, muss aber nicht. Für Facebook-Junkies gibt es natürlich auch eine Veranstaltungsseite. 😉

Es kommen

Es kommen vielleicht

Es kommen nicht

Sperrzone Innenstadt

So langsam kriege ich schon Pickel, wenn ich nur das Wort “Bürgerinitiative” in Würzburg nur höre. Selbst im Winter schießen die wie Pilze aus dem Boden.

Neuester Pilz ist die “Bürgerinitiative Würzburger Altstadt” — BIWA –, die ihre Mitglieder aus Bewohnern und Geschäftsleuten aus der Innenstadt rekrutiert. Sie fühlen sich vom Lärm, Dreck und überhaupt vom ganzen Rummel des Nachts in der Stadt gestört. Das Ganze hat gestern darin gegipfelt, dass sich Vertreter der Stadt, der Polizei und der Gastronomie im Odeon getroffen haben, um zu besprechen, wie man mit den Problemen umgehen soll. Die daraus entstandene Idee geht dahin, dass die Sperrzeiten — also die Zeit, in der ein gastronomischer Betrieb geschlossen sein muss — am Wochenende wie bisher auf 5 Uhr früh bleiben, aber während der Woche auf 1 Uhr verlängert wird. Für Leute wie mich, die es nicht gewohnt sind in Sperrzeiten zu denken, sondern in Öffnungszeiten: Während der Woche darf ein Lokal maximal bis 1 Uhr nachts geöffnet haben, am Wochenende maximal bis 5 Uhr.

Bisher ist das nur eine Diskussionsgrundlage, entschieden ist noch nichts, es kann auch noch ganz anderes kommen — in jede Richtung.

Liebe Innenstadtbewohner, es ist nicht so, dass ich eure Anliegen grundsätzlich nicht verstehen oder sogar teilen würde. Wobei ich — auch wenn sie das nicht hören wollen — den Innenstadtbewohnern eine höhere Schmerzgrenze zumuten möchte. Mich regen selbst an Nicht-Innenstadtbewohner ein paar Sachen auf. Das Scherbenmeer, durch das ich manchmal knöcheltief waten musste, geht mir auch auf den Sack. Aber noch mehr auf den Sack geht mir euer Maßnahmenkatalog.

Es ist ein schwieriges Problem. Würzburgs Innenstadt soll lebendig und attraktiv sein, aber gleichzeitig ein ebenso ruhiges Wohngebiet wie im Frauenland. Ich sag es nur ungern: Das wird schwierig. Die Stadt profitiert letztlich auch vom Nachleben in der Innenstadt, der Begriff “Szenestraße” wird sogar werbetechnisch auf der Webseite des BIWA-Mitgründers Bernd Mars verwendet:

Und neue, vor allem auch junge Leute entdecken das Traditionsgeschäft für Stahlwaren, Sportwaffen, Feuerzeuge und Rasierer in der belebten Szene-Straße.

Hmm, und viele der jungen Leute haben das Traditionsgeschäft nachts um 3 Uhr zum ersten Mal gesehen. Das scheint geschäftlich kein Nachteil zu sein.

Ja, der Lärmpegel nachts in der Stadt hat auch für mich in den letzten Jahren zugenommen. Für mich liegt der Hauptgrund beim hochgelobten Nichtraucherschutz. Man geht gern oder ungern zum Rauchen nach Draußen und behält die Kneipensprechlautstärke bei. Früher blieb man eben in der Kneipe. Nichtraucherschutz gegen Ruhestörungsschutz.

In ihren Hauptforderungen nennt die BIWA den Punkt “Konsequente Präsenz von Ordnungskräften, wie z.B. kommunaler Ordnungsdienst, Bereitschaftspolizei und Polizei”. Ordnungsdienst, ok. Polizei und vor allem Bereitsschaftspolizei? Ich sehe schon Hundertschaften in schusssicheren Westen durch Würzburgs Innenstadt patroullieren und sobald Zimmerlautstärke überschritten wird kommt der Wasserwerfer zum Einsatz?

Die BIWA fordert auch konsequente Umsetzung des Jugendschutzgesetzes, was ja nicht schlimm ist. Aber liebe BIWA: Auch ich bin gerne mal nachts in Würzburg unterwegs und ich die wenigsten — wenn überhaupt — denen ich begegne sind Jugendliche, vielleicht gehe ich da in die falschen Lokale. Die meisten sind Studenten, die in Regelfall über 18 Jahre sind. Und noch schlimmer: Gar nicht mal so wenige sind nicht mal Studenten, sondern einfach Erwachsene, die im Arbeitsleben stehen, so wie ich.   Ja, man kann fast 40 sein und trotzdem ein Nachtschwärmer — und ich bin selten der Älteste. 😉

Und gerade mich als steuerzahlender, arbeitender, reifer und erwachsener Bürger dieser Stadt würde mich eine Begrenzung der Öffnungszeit auf 1 Uhr während der Woche ärgern, aus einem ganz egoistischen Grund: Ich arbeite hin und wieder mal bis spät in der Nacht im Büro. Und ich freue mich schon immer darauf, dann endlich das Büro zu verlassen und irgendwo in der Stadt noch einen Absacker zu trinken — manchmal auch zwei. Und das darf ich dann nicht mehr?
Das heißt, ich muss mir tagsüber eine Flasche Schnaps kaufen, die ich dann auf dem Heimweg trinken darf, flankiert von Männern in Uniform? Und wenn ich einen Platz passiere, an dem Alkoholverbot herrschen wird, muss sich sie verstecken? Nicht dass mich die Videoüberwachung dabei erwischt, die die Daten wahrscheinlich gleich zum Heuchelhof leiten wird.

Ne BIWA, ich glaube mit euren Forderungen schießt ihr über das Ziel hinaus. Man soll schon etwas tun, um die “Zustände” in der Innenstadt für die Anwohner erträglicher zu machen. Die Gastronomen sollen sich was überlegen, was sie gegen den Lärm machen können, manchmal kann ein “Hey, jetzt plärrt mal net so rum” von der richtigen Person schon Wunder wirken — hab ich schon erlebt. Mit dem Dreck wird es schon schwieriger, in einigen Lokalitäten darf man ja schon keine Gläser mit nach draußen nehmen. Das Problem sind die Glasimporteure, die mit einem oder mehreren Sixpacks auf den Straßen unterwegs sind, die sie von daheim mitgebracht oder nachts im Straßenverkauf erworben haben. Warum es so cool ist, die Flaschen zu zertrümmern, hat sich mir bis heute nicht erschlossen, aber das ist ein Problemfeld, an dem vielleicht Psychotherapeuten arbeiten müssen. Der Ordnungsdienst könnte da natürlich eingreifen, aber wer zahlt denn die zusätzlichen Nachtschichten?

Nein, ich bin deutlich gegen eine Verlängerung der Sperrzeiten. Damit brächte man Würzburg mal wieder noch näher an die Provinz.

Mittlerweile wurde auch das Blog “Sperrstunde” eingerichtet, hier soll laufend über den Stand der Dinge berichtet werden. Auf Facebook gibt es auch eine Gruppe dazu.

Handgeschrieben und mundgesungen

Morgen abend ab 20.00 Uhr — dummerweise parallel zu meinem Hausausflug zum Weinfest am Wagnerplatz — in Herrn Gehrings guter Stube in der Neubaustraße ein Songwriter-Abend statt. Das habe ich am Mittwoch beim Bloggerstammtisch dort erfahren. Aber durch irgendeinen ominösen Zwischenfall — ein Ionensturm? — hab ich so gut wie vergessen, wer dort spielt.

Ahh, beim Googeln fand ich ein sowohl ein neues Blog — neubaustrasse.blogspot.com — als auch die Besetzungsliste für den Abend. Wer sagt’s denn …

Also, wer sich nicht am Wagnerplatz rumtreibt: Hingehen, gute Musik, Essen und Trinken genießen.

Herr Rossi hat ein Wohnzimmer

Ja, Herr Gehrings hat eine gute Stube und Herr Rossi hat ein Wohnzimmer. Und beide gehören frisch zur Würzburger Gastronomie .

Über Herrn Rossis Wohnzimmer wollte ich schon lange mal schreiben. Nach einem Kommentar von brokkola bin ich kurz vor Weihnachten mal in die Zellerau geschlappt. Und tatsächlich — dort, wo früher ein Sexshop war, im cafétechnischen Niemandsland, hat ein kleines Café aufgemacht, in unmittelbarer Nähe zum Timeout. Und ich muss sagen: Schnuckelig.

Wo früher Vibratoren und Gleitcremes verkauft wurden kann man auf Sofas und in Lehnsesseln herumlungern, an Holztischen Cappuccino trinken und auf Hockern den Tag genießen. Ein witziger Stilmix, etwas chaotisch, aber doch wieder harmonisch und passend. Ich bin doch immer wieder froh, wenn ein Laden jenseits dieses Schickimicki-Lounge-Stils aufmacht, auch wenn sie darum scheinbar immer lange Namen haben müssen. 😉

Man merkt den Räumen an, dass sie ursprünglich nicht für Gastronomie vorgesehen waren, so teilt sich das Café fast schon in zwei einzelne Räumchen auf, mit der Theke in der Mitte. Aber da hat sich Andreas Brüderle als Architekt schon was einfallen lassen, um es doch noch praktikabel zu machen. (Ich darf Andi deswegen extra erwähnen, da wir beide im letzten Jahr jeweils indirekte Träger von Petrini-Preis-Anerkennungen geworden sind ;-))

Update: Die Inneneinrichtung ist nicht von Andi Brüderle gemacht, die ist von Stefan Hölldobler von diefabrik. So, jetzt sind alle Lorbeeren da, wo sie hingehören. 🙂

Die Bedienung war sehr nett, der Cappuccino und der Espresso zumindest ok, der Wohlfühlfaktor war hoch — was will ich mehr? 🙂 Einfach mal hingehen in die Frankfurter Straße 3(?), denn Herr Rossi hat ja das Glück gefunden. 😉

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Blädzlidodsündn zum Anguggn

Es gibt zwei Todsünden beim Budderblädzlibaggn (für Nichtfranken: Butterplätzchenbacken):

  1. Den Teig nicht lange genug kühl stellen.
  2. White Russian trinken.

Wir haben beide begangen und mussten dafür büßen. Wer mitbüßen will, kann sich die Würzmischung #35 ansehen, das ist Buße genug. 😉

Gehrings schmeckt

Am Freitag machte ich im Gehrings in der Neubaustraße eine kurze Stadtfest-Pause. Besser: in Herrm Gehrings guter Stube. Ich konnte nicht widerstehen, das “neue Gehrings” mal zu testen. Nett sieht es aus, sehr nett. Innen deutlich heller, die alten Stühle wurden weiß gestrichen, ein Teil der Wände auch und ein gemütliches Sofachen steht drin. Ich saß aber draußen; dort, wo Raucher noch Raucher sein dürfen.

Tja, und da saß ich erst mal. Scheinbar hat man um die Uhrzeit noch nicht wirklich mit Gästen gerechnet, denn erst nach über 10 Minuten kam jemand heraus. Macht aber nichts, wenn ich es ernsthaft eilig gehabt hätte, dann hätte ich drinnen eninfach Bescheid gesagt.
Die Speise- und Getränkekarte ist beim Besitzerwechsel logischerweise neu aufgelegt worden. Der Wein ist definitiv ein gutes Stück teurer geworden — aber auch ein gutes Stück besser. Im “alten Gehrings” war der Wein zwar günstig, aber von der Plörre bekam man schon beim Trinken Kopfweh. Jetzt gibt es Weine vom Weingut am Stein und Kopfweh erst später. Beim Essen gibt aus ausschließlich Tagesgerichte, mit der Ausnahme von Schnitzel mit Pommes, das man jeden Tag dort essen kann.

Die Pizza mit Salami, die ich bestellte, war nicht gerade wagenradgroß, dafür wirklich sehr lecker und kein Vergleich mit irgendwelchen öltriefenden Teiglappen, die man woanders serviert bekommt.

Der erste Eindruck war wirklich gut. Das Essen ist lecker, die Chefin sehr hübsch, die Bedienung freundlich und das Ambiente ansprechend. Was will man mehr? Ok, ein offenes WLAN, aber das muss nicht unbedingt sein. 😉
Herrn Gehrings gute Stube hat die Chance, die jede neue Kneipe bei mir bekommt, gut genutzt und weitere Besuche von mir sind sehr wahrscheinlich. 🙂