Biggolo-Bromenade

Die Grünen in Würzburg veranstalten heute, 9. Juni 2011, um 18 Uhr einen Flashmob — mit öffentlicher Ansage — an der Leonhard-Frank-Promenade (das ist das Mainufer gegenüber des Alten Kranen). Weil dort seit letztem Jahr laut Sicherheitssatzung Alkoholverbot herrscht, laut Umwelt- und Kommunalreferent Kleiner aber Liebespaaren ein Piccolo nicht verwehrt werden soll, laden die Grünen viele “Verliebte” — wer keinen Partner dabei hat, kann sich ja ganz spontan vor Ort verlieben — ein, auf der Promenade heute ein kleines Fläschchen zu trinken.

Allerdings Fläschchen mit Wasser statt Sekt, was bei Facebook nachträglich nochmal klargestellt wurde. Damit verliert die ganze Aktion in meinen Augen deutlich an Biss und der Bezug auf Kleiners mündliche Piccolo-Klausel ist auch nicht mehr wirklich da. Irgendwie hat die Grünen da im letzten Moment scheinbar der Mut verlassen.

Mal sehen wie viele da anstoßen werden und womit.

Wie es weitergeht mit dem Pleicher Hof – ausnahmsweise eine Pressemitteilung

Ich veröffentliche eigentlich nie Pressemitteilungen im Ganzen, selbst Zitat daraus mag ich nicht, lieber schreibe ich selbst etwas. Aber in diesem Fall geht es um den Pleicher Hof, bei dem alle Außenstehenden schon genug Wischiwaschi-Informationen über die “Schließung” des Kellers haben. Darum hier 1:1  Pressemitteilung (ohne Titel und Kontaktdaten) ganz frisch vom Pleicher Hof bzw. dem Chef Udo “Ued” Walter.

Mit Bescheid vom 11.06.2010 hatte die Stadt Würzburg dem Betreiber des
“Pleicher Hof”, Udo Walter den Betrieb einer Diskothek untersagt. Die
Stadtverwaltung ist der Auffassung, dass in den Kellerräumen des “Pleicher
Hof” eine Diskothek betrieben wird, für die keine Genehmigung vorliegt.
Demgegenüber ist Betreiber Udo Walter der Meinung, eine Musikbar zu
unterhalten.

Die Stadt hat in Ihrem Bescheid Auflagen erteilt, die nach Angaben von Herrn
Walter dem “Pleicher Hof” die Existenzgrundlage entziehen. Nach Rechtsanwalt
Armin Beck von der Schweinfurter Kanzlei BBSW Rechtsanwälte geht der
Bescheid der Stadt über das Ziel einen nicht genehmigten Diskothekenbetrieb
zu unterbinden hinaus. Insbesondere die Anordnung “diskothekentypische
Einrichtung (Mischpult, Lautsprecher, Verstärkeranlage, Abspielgeräte und
Lichtorgel) zu entfernen entziehe dem “Pleicher Hof” auch die Möglichkeit
einer Nutzung als Musikbar, welche im Rahmen der Genehmigung läge.

Am 13.07.2010 fand schließlich ein Gespräch zwischen Herrn Walter mit
Rechtsanwalt Beck und Alexander Hoffmann, dem zuständigen Leiter des
Fachbereichs Allgemeine Bürgerdienste statt. Ziel und Ergebnis dieses
Gespräches war nun, so Rechtsanwalt Beck, dass eine Einigung herbeigeführt
werden soll, in der die Stadt die Kriterien für den Betreib des “Pleicher
Hof” so fasst, dass eine Nutzung als Diskothek zwar ausgeschlossen ist,
jedoch der “Pleicher Hof” als Musikbar weiter möglich ist, d.h. Diskjockeys
für musikalische Untermalung des Barbetriebes sorgen und auch gelegentlich
Konzerte veranstaltet werden können.

Herr Walter sorgt ab sofort verstärkt dafür, dass ein Tanzbetrieb im
Pleicher Hof nicht stattfindet. Die bereits durch Möbel verstellte
Tanzfläche wird noch mehr möbliert und so ein tanzen unmöglich gemacht. Die
Lichttechnik wird so weit zurückgebaut, dass kein bewegtes Licht mehr
stattfinden kann, welches zum tanzen animieren würde.

Die musikalische Gestaltung durch DJ’s wird ab Mittwoch den 21. Juli wieder
stattfinden. die Lautstärke der Musik wird weiterhin einem Barbetrieb
angemessen sein. Somit kehrt der wesentliche Bestandteil, ein musikalisches
Unterhaltungsprogramm, in die Bar des Pleicher Hofes zurück.

Herr Walter räumt offen ein, dass in der Vergangenheit immer wieder
Veranstaltungen in der Bar des Pleicher Hofes stattfanden, die
möglicherweise in ihrer Art einem Diskothekenbetrieb gleichgesetzt werden
können. So auch zuletzt am 28.05.2010, wo gemeinsam mit dem AK
Internationales des Sprecherrates der Universität Würzburg eine
Studentenfeier in den Räumen des Pleicher Hofes stattfand. An diesem Tag
wurde durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Würzburg ein
“Tanzbetrieb” in den Kellerräumen des Pleicher Hofes festgestellt, was nach
Ansicht von Herrn Walter schließlich zu letzterem Bescheid und zum
Musikverbot durch die Stadt Würzburg führte.

Für eine finanziell rentablen Betrieb ist der Pleicher Hof auch zukünftig
auf besucherstarke Sonderveranstaltungen wie Partys mit Tanzbetrieb und
imagebildende Veranstaltungen wie Konzerte angewiesen. Um solche aber
regelmäßig durchführen zu können, ist eine Konzession als Tanzlokal nötig.
Die Kosten für eine solche Konzessionsänderung, so schätzt Herr Walter,
liegen im mittleren 5-stelligen Bereich. Einen solchen finanziellen Aufwand
kann der Pleicher Hof aber nicht ohne Unterstützung von Außen, z.B. durch
Banken oder Brauerei, stemmen. Daher sind entsprechende Gespräche und
Verhandlungen seitens Herrn Walters mit betreffenden Instanzen vorgesehen,
eine Konzessionsänderung zur Sicherung der Existenz des Pleicher Hofes
angestrebt.

Der Pleicher Hof hofft, seine Existenz weiterhin durch interessante Inhalte,
durch ein abwechslungsreiches Kultur- und Musikprogramm sichern zu können.
Wir hoffen, dass dem Pleicher Hof das Mittel der “Doppeldecker-” und
“Billigsaufabende”, welches so viele Bars und Gaststätten schon für sich
einsetzten, erspart bleibt.

Herr Walter hofft nun, dass der “Pleicher Hof” als Szenetreff, der sich
durch ein vielfältiges kulturelles Angebot jenseits des “Mainstream”
auszeichnet, weiter bestehen und seine Rolle im Würzburger Kulturbetrieb
ausfüllen kann.

Zuletzt bedankt sich Herr Walter bei allen, die sich in den vergangenen
Tagen für ein Weiterbestehen des Pleicher Hofes mit anspruchsvollem
kulturellem und musikalischem Programm eingesetzt haben, ob Personal,
Freund, Gäste und Medienvertreter oder befreundete Musiker und
Kulturveranstalter aus ganz Deutschland.

Quintessenz: Es wird wohl nicht mehr wie bisher weitergehen, aber ein recht beschränkter Musikbar-Betrieb wird es wohl im Keller geben. Und wenn Ued es schafft, eine Konzession als Tanzlokal zu bekommen bzw. das Geld dafür (für einen Umbau?), dann könnte wieder Licht in den Tunnel kommen.

Pleicher Hof a cappella

Im Keller des Pleicher Hofs ist ab sofort die Musik aus. Und das Licht auch.

Am Sonntag, dem Tag des Nichtraucher-Volksentscheids, kam schon eine Mail vom Pleicher-Chef Ued, der als eine Konsequenz des Rauchverbots in Clubs, dass der Laden dadurch “vermutlich bald wieder in die drohende Insolvenz” geschickt würde. Und am Montag war dann kommentarlos auf der Website zu lesen, dass es ab sofort keine Musikveranstaltungen im Pleicher Hof geben wird. Warum und wieso wurde bei Kalimba und Kampfkoloss gerätselt.

Bei Facebook gab es heute kleine Einblicke, port01 zitiert den Pleicher Hof mit den WortenIch habe eben vom Ordnungsamt der Stadt Würzburg einen Bescheid erhalten, der uns alle discoähnlichen Veranstaltungen untersagt und uns zum sofortigen Abbau der Licht und Tontechnik auffordert. Der Einsatz eines sog. Discjockeys ist uns verboten.

Harter Tobak! Ob das Ordnungsamt von sich aus aktiv geworden ist, ob sich das Maritim beschwert hat , ob die BIWA dahintersteckt oder sonst wie  — zumindest hat der Pleicher nun ein immenses Problem! Allein durch das Café wird sich der Pleicher Hof wohl nicht lange finanzieren lassen.  Jetzt kann Ued natürlich Unplugged-Lesungen oder Klöppelkurse im Keller anbieten, aber damit wird wohl auch nicht sehr viel Geld zu machen sein.

Ja, vor dem Pleicher war nachts schon gern mal viel los, da hat die neue und umstrittene Preispolitik auch nicht viel geholfen. Aber wenn ich nachts durch Würzburg laufen und am Odeon, oder öfters, da auf dem Heimweg, am Studio vorbeikomme — da ist auch viel los vor den Discos. Da bin ich aber mal gespannt, wann das Odeon oder das Studio ihre Lautsprecher rausreißen müssen. Wobei, wenn ich ehrlich bin, sehe ich die Gefahr da eher gering. Die können wenigstens sagen, sie haben gutbezahlte Türsteher, die eben vor der Tür stehen. Ob es deswegen leiser ist … ich weiß nicht so recht. Aber so ein kleiner Schuppen wie der Pleicher Hof kann sich eben kaum mal Türsteher leisten — die Mainstream-Disco-Lobby mit dem dicken Geldbeutel wird es also vermutlich noch länger geben.

Zumindest ist nun eine kleine — ob man sie “alternativ” nennen will muss jeder selbst entscheiden — Disco und ein Konzertsaal lahm gelegt — und eventuell sogar zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Ob durch die Verschärfung des Nichtraucherschutzes oder das Oberwasser, das die BIWA nun haben wird, weitere folgen werden, das werden wir sehen, mit der Disco Fantastique musste ja kürzlich auch eine Veranstaltung auf Zimmersuche gehen.

Die Innenstadt mag nun vielleicht ein bisschen leiser sein, aber dem Image- und Wirtschaftsfaktor Kultur- und Nachleben hat diese Aktion auch einen Schlag versetzt.

Vielleicht werden ja noch ein paar Hintergründe dieser Ordnungsmaßnahme ans Licht kommen. Bis dahin: Bleibt abends daheim, setzt die Kopfhörer auf und tanzt zu naturtrüben Apfelsaftschorle und Salzstängchen. Aber nicht so laut schlürfen und knuspern!

Würzblog-Bilderrätsel #30

Nachdem es sich beim ältesten Teil des Rathauses, genannt der „Grafeneckart“ und hier im Bild zu sehen, auch um den ältesten noch erhaltenen Profanbau der Stadt handelt, gibt der Sitz der Stadtverwaltung auch einiges an Fragen her.

Benannt ist das vermutlich bereits Anfang des 12. Jahrhunderts erbaute Gebäude (als „Hof Billung“ urkundlich erstmals 1180 erwähnt) nach einem frühen Eigentümer, dem bischöflichen Ministerialen und Schultheißen Eckart de Foro, dem „Grafen Eckart“ eben, der im Jahr 1200 ermordet wurde.

1316 wurde der stattliche Bau für 370 Pfund Heller vom Rat der Stadt erworben und für Sitzungen, Empfänge, Festveranstaltungen genutzt. Im Jahr 1453 beschloss der Stadtrat, einen Turm auf dem Grafeneckart zu errichten. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts schmückt ein Erker die Südseite des Rathauses. Das Bild auf der Fassade erinnert seit 1597 an einen Bau, der früher auf dem Platz vor dem Gebäude stand.

Die Frage: Was für einen Baum stellt das Bild dar? Der erste Buchstabe steht in der Lösung an fünfter Stelle.

Wem gehört eine Stadt?

Ein Augsburger Blogger reserviert sich die Domain “augsburgr.de”, fragt sogar bei der Stadt Augsburg nach, ob die was dagegen hat, und erhält von eben dieser Stadt eine Abmahnung, bei der schon die Anwaltkosten sich auf knapp 2.000 € belaufen. Die Aufregung im Netz war groß, die Stadt Augsburg ist (deswegen?) heute zurückgerudert und hat die Abmahnung zurückgenommen — aber sie fühlt sich noch im Recht.

Neben dem Image- und PR-Desaster für die Stadt Augsburg, neben dem unsäglichen Abmahnrecht und auch neben jeglichem juristischen Namens- und Markenrecht — was passiert da eigentlich?

Hat eine Stadtverwaltung das alleinige Nutzungs- und Vergaberecht am Stadtnamen? Wohlgemerkt, es ging nicht um die Domain “augsburg.de”, da kann ich noch verstehen, dass die Kommune diesen selbst nutzen will. Aber augsburgr.de? Eine web-zwei-nullige Verkürzung von dem Wort “Augsburger”? Der Blogger ist Augsburger Bürger, ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen der Person und dem Domainnamen ist also erfüllt. Dürfen Bürger, Firmen, Organisationen nicht von sich aus den Stadtnamen verwenden? Denn wenn es bei Augsburgr anfängt, dann hört das bei der Augsburger Allgemeinen auf? Darf diese Zeitung sich so nennen? Augsburger und auch noch ganz allgemein? Darf die Domain “ich-in-augsburg.de” (noch frei) nur dem Augsburger Oberbürgermeister zugesprochen werden? Wird der Stiftung “mein-augsburg.de” jetzt die Planung eines Putschversuchs unterstellt?

Schon wurde beim Twitter-Account der Stadt Würzburg nachgefragt, wie das in Würzburg gehandhabt werden würde und es kam die rechtsunverbindliche Antwort:

Namensrecht ist wichtig!! Manchmal ist aber etwas mehr Fingerspitzengefühl besser als die Holzhammer-Methode…:)

Aber es geht mir gar nicht um die Wahl der Methoden, sondern um das moralische Recht, den Namen einer Stadt zu verwenden. Der Anspruch des Rathauses auf den Namen Würzburg hört bei mir bei wuerzburg.tld bzw. würzburg.tld auf. Bin ich der Gnade des Stadtrats ausgeliefert, um den phonetisch ähnlich klingenden Domainnamen wuerzblog.de verwenden zu dürfen? Sagt die Stadtverwaltung zu unser-wuerzburg.de “Nein, das ist nicht euer Würzburg, das ist unseres”? Oder der-wuerzburger.de? Muss Vogel Media jeden Tag zitternd zum Briefkasten gehen und hoffen, dass eine Abmahnung der Stadt die Portkasse plündert? Man muss nur mal die Würzblog-Linkliste durchgehen und findet etliche Domainnamen, die nach Augsburger Rechtsempfinden bedenklich wären.

Augsburg den Augburgrn, Würzburg den Würzburgern. Augsburg, Würzburg und andere Stadtnamen sind neben Marken auch eben einfach auch Ortszeichnungen, auf die man sich beziehen darf. Oder dürfen muss. Egal in welchen Zusammenhang. Auch wuerzburg-ist-scheisse.de (auch noch frei) muss von der Stadt ertragen werden — in Bezug auf das Wort Würzburg, nicht unbedingt in Bezug auf die Beleidigung. Genauso wie wuerzburg-ist-die-beste-stadt-auf-der-ganzen-welt.de (ebenfalls noch frei). Und ich fühle mich absolut im Recht, ein Blog unter dem Namen wuerzblog.de zu betreiben. Ich bin seit 15 Jahren Bürger der Stadt Würzburg, mit Freud und Leid. Und darauf darf ich ja wohl in dem Domainnamen Bezug nehmen.

Vielleicht war der Vorfall mal nötig um den Stadtverwaltungen wieder vor Augen zu führen, dass sich die Welt seit der Wappen-und-Wachssiegel-Zeit geändert hat. Und die Emanzipierung der Bürger auch.

Schweinelächeln

Im Würzburger Rathaus werden nicht mehr die Hände geschüttelt. Wegen der Ansteckungsgefahr mit Schweinegrippe. Darum gibt es Schilder im Rathaus mit der Aufschrift “Wir geben Ihnen nicht die Hand, aber wir schenken Ihnen ein Lächeln“.

Mit wurde glaube ich das erste und einzig Mal im Rathaus die Hand gegeben, als die Standesbeamtin mir nach der Hochzeit gratulierte. Wo ist also der Unterschied zu der Zeit vor der Schweinegrippe? Richtig: Im Lächeln. Das ist jetzt neu.

Von Kompetenz und Transparenz

Tja, jetzt ist es passiert. Die Planung für das Mozart-Areal ist erst einmal gestoppt worden. Die Ausschreibung genügt nicht den Ansprüchen, die in einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf im Juni festgelegt wurden. Die Stadtverwaltung entschuldigt sich nun damit, dass der Beginn des Investorenwettbewerbs vor der Bekanntgabe des Urteils war.

Ok, das muss ich gelten lassen, das war Pech; auch wenn man die juristischen Probleme vielleicht schon hätte ahnen können. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann ist, dass die Stadt Würzburg bis gestern beteuerte, dass die Ausschreibung rechtens ist, obwohl der halbe Stadtrat seit ein paar Monaten auf die Schwierigkeiten hinweist. Transparenz sieht anders aus. Die Stadtverwaltung hätte ja wenigstens zugegeben können, dass sie einfach nicht wissen, wie die Sache ausgehen wird. Aber mit einer solchen Inbrunst eine heile Welt beschwören, das zeugt weder von Transparenz noch von kommunikativer Kompetenz, sondern nährt einfach die Zweifel an offiziellen Aussagen der Stadt Würzburg.

Jetzt muss die Stadt anwägen, ob sie den Wettbewerb aufhebt und hofft, dass keiner der Investoren Schadensersatz fordert, oder ob sie den Wettbewerb durchzieht und wiederum hofft, dass keiner der Investoren dagegen klagt. So oder so sieht es also aus, als müsste jemand dafür zahlen, und das sind im Zweifelsfall immer die Bürger.

Würzburg intrigiert?

Die Stadt Würzburg will ihre Verwaltung modernisieren — mit dem Projekt “Würzburg integriert”. Abläufe und Strukturen sollen im Rathaus verbessert und eine zentrale Plattform im Internet auch für Verwaltungsvorgänge geschaffen werden. Das läuft unter dem ebenfalls modernen Namen eGovernment.
Dem Würzburger soll das Zeit und Nerven sparen, der Stadt selbst viel Geld — man rechnet mit einer Einsparung von 27 Millionen Euro in zehn Jahren — die allerdings nicht komplett an die Stadt gehen. Frau Beckmann dementierte laut Mainpost Gerüchte, dass “Mitarbeiter verkauft werden” und auch der Datenschutz sei gewährleistet. Es werden zwar Stellen abgebaut werden, aber nur durch die normale Fluktuation in der Verwaltung.

Das klingt alles ganz toll.

Ich hätte dabei auch wenig Bauchweh, wenn nicht die Bertelsmann-Tochter Arvato das Projekt “Würzburg integriert” (klingt eher wie Mathenachhilfe) mit der Stadt durchführen würde. Muss denn Bertelsmann, nachdem es mir schon den Großteil meines Lese-, Fernseh- und Musikangebots liefert (ich lehne das Angebot meistens dankend ab), auch noch die Finger in der Verwaltung meiner Stadt haben? Weiß ich, welchen Einfluss es dort haben wird? Wird Bertelsmann den Fuß, den es zwangsweise in das Würzburger Rathaus setzt, dauerhaft in der Tür behalten?

Ok, im Fall Würzburg geht es — scheinbar — vor allem um eine Softwarelösung, die wahrscheinlich, vermutlich, vielleicht meine Paranoia nicht rechtfertigt. Aber ein seltsames Gefühl hinterlässt die Sache doch bei mir. Und ob das bis 2011 zerstreut ist? Ich bin gespannt.