Verschobene Literaten auf dem Balkon über den Weinbergen

Auf seine Weinberge ist Würzburg ja stolz. So stolz, dass vier altgediente Schriftsteller dafür zerhackt Werbung machen müssen.

Obwohl der Karfreitag nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllt hat, die der Wetterbericht in den vergangenen Tagen geschürt hat, war es doch ein schöner Tag. So schön, dass ich mal einen kleinen Ausflug zum neuen “Literaturbalkon” am Bismarckswäldchen gemacht habe.

Das Viertelmillionen-Euro-Projekt ist der neueste der Weintourismus-Punkte in Unterfranken, die auf den für mich eher blöden und für den gemeinen Franken eher schwer auszusprechenden Namen  “Terroir f” hören.

An dem sogenannten “Literaturbalkon” geht es um Wein und … genau, Literatur. Vier Schriftsteller haben irgendwas zum Würzburger Wein geschrieben, zu deren Ehren wurden ihr Abbild in Stücke gehackt und je auf einer Seite der 13 Säulen gedruckt. Nur einer dieser Literaten war ein echter Würzburger, nämlich Leonhard Frank. Minnesänger Walther von der Vogelweide wurde ist eventuell möglicherweise in Würzburg vielleicht begraben. Und Herrmann Hesse und Johann Wolfgang von Goethe waren halt mal hier zu Besuch und haben einen oder zwei Schoppen getrunken.

Leonhard Frank auf den Stelen des Literaturbalkons.

“Ganz nett” hab ich mir beim Besuch des Literaturbalkons gedacht. Die Aussicht ist toll, aber das war sie auf dem ganzen Weg dahin auch schon, irgendwie haben Weinberge das oft so an sich.

So richtig konnte ich mich mit dem Würzburger “magischen Punkt” für den Wein nicht so anfreunden, so richtig integriert er sich für mich nicht in den Würzburger Stein und ist so unmagisch wie ein Zauberstab aus Ohrenschmalz. Halt ein thematischer Aussichtspunkt.

Allerdings kann ich mich noch viel weniger so darüber aufregen, wie das manch anderer Würzburger tut. Klar, knapp die Hälfte dieser Installation wurde aus Gelder des Freistaats Bayern bezahlt, also von Steuergeldern — und von denen werden leider viele weitaus sinnloser verschwendet. Den Rest hat der Stein-Wein-Pfad-Verein gezahlt, also vor allem Weingüter, Gastronomie und Tourismus.Und der Literaturbalkon stört nun wirklich nicht so sehr das Bild des Würzburger Stein, das im Grunde ja ein landwirtschaftliches Gebiet ist.

Wer da immer noch nur bei dem Gedanken an den Literaturbalkon aggressive Wallungen bekommt, sollte sich vielleicht den Satz Goethes zu Herzen nehmen:

“Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.”

Prost.

Schönen Kuttertag

Wenn man schon einer einer Stadt mit Fluss lebt, dann sollte man das auch in vollen Zügen genießen.

Am Donnerstag habe ich mal wieder das Oberdeck der Fischbar zum Krebs betreten. Bei dem brillanten Sommerabend konnte ich einfach nicht anders, als ihn auf dem Kutter am Mainkai zu verbringen.

Der Kutter ist für mich schon einer der Top-10-Orte in Sachen Chillen in Würzburg. Einfach hinsetzen — sofern es noch einen Platz gibt –, das Weinschorle trinken (andere machen das mit Bier), wenn man mag leckeren Fisch essen und sich an den fast schon gesungenen Aufrufe der Bestellnummer erfreuen, sich die warme Briese um die Nase wehen lassen und das leichte Schaukeln der Wellen genießen.

Sommerabend an der FIschbar Krebs

Allerdings habe ich aber gemerkt, dass ich auf dem Kutter immer relativ wenig Alkohol trinke. Das liegt wohl daran, dass ich durch den Wellengang immer denke, ich bin schon betrunken. Wenn das allen so geht, wäre das ja fast schon schlecht für’s Geschäft der Fischbar.  😉 Außerdem bin ich Nichtschwimmer, da liegt die Promillegrenze auf Schiffen für mich deutlich niedriger! 😀

Ja, da kommt schon ein wenig Hamburg-Feeling auf. Das Leben am Fluss hat schon was — nachdem es eh immer in Fluss ist.

Sommerabend an der FIschbar Krebs

Das Grombühler Weinspektakel

Ach, eigentlich muss man das selbst erleben, das Weinfest in Grombühl. Obwohl ich da seit Jahrzehnten zu Gast — schließlich habe ich etwa ein Viertel meines Lebens wundervoll in Grombühl gewohnt –, kann ich es immer kaum fassen, dass es so ein Fest in einer “Großstadt” wie Würzburg gibt.

Grombühler Weinfestglas - von denen schon etliche in meinem Küchenregal stehen. Aus Gründen.
Grombühler Weinfestglas – von denen schon etliche in meinem Küchenregal stehen. Aus Gründen.

Allein- und Zweifachunterhalter spielen auf, vor der Bühne wird getanzt bis kein Platz mehr ist, spontane Line-Dance-Einlagen inklusive. Der Schoppen geht zu extrem fairen Preisen über die Theke, hinter der nette TSV-Mitglieder ausschenken. Man sitzt an den Tischen mit ehemaligen Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden oder wildfremden Menschen, ertrinkt in einer weinseligen Zufriedenheit und kuschelt sich in den fröhlichen Lärm des Festes.

Danke Grombühl, es war mir wie immer ein Weinfest! 🙂

O Ringpark, dich muss man mögen

Nicht dass beim Ringparkfest alle perfekt wäre — aber es ist einfach das schönste Fest in Würzburg.

Ja, das Ringparkfest ist nicht das am besten organisierte Fest in Würzburg. Da steht man schon mal gerne eine halbe Stunde in der Schlange, um an Glas Wein zu kommen.

Konzert;Kultur;Musik;Ringparkfest;Würzburg
Abendstimmung beim Ringparkfest

Sei es drum! Es ist auch mit Abstand das schönste Fest in Würzburg. Mitten im Park, kann man an den Bänken sitzen und Wein hören, im Gras herumlümmeln und den vielen Bands zuhören, eine Menge Leute treffen und kennenlernen und sogar die Kinder — falls vorhanden — so für eine Zeit abschieben, dass so sogar Spaß daran haben.

Ja, es war wieder schön am Ringparktfest. Das Wetter war perfekt, nicht zu heiß — im letzten Jahr — und auch nicht zu nass — wie in dem meisten Jahren davor. Die Band waren gut, besonders hat mir gefallen, dass ich Birgit Süss’ Lieder ihrer neuen CD mal hören durfte, da waren schon ein paar sehr nette Sachen dabei. 🙂

 

Tauberfränkische Weinprobe

Am Freitag hab ich mich mal durch ein tauberfränkisches Weingut probiert. Und das war richtig lecker.

Winzer Ulrich Buck erzählt Geschichten über seinen Schwarzriesling.
Winzer Ulrich Buck erzählt Geschichten über seinen Schwarzriesling.

Am Freitag war ich bei einer netten privaten Weinprobe. Der Winzer Ulrich Buck aus Tauberbischofsheim-Impfingen kam am Abend zu einem Kollegen von mir nach Hause und kredenzte acht seiner Weine. Und ich muss sagen — da hat Buck richtig gute Tröpfchen über die Landesgrenze geschmuggelt, für Tauberfranken waren die richtig gut.  😉 Liebevoll ausgebaute Weine, die nicht immer so schmecken, wie man es erwarten würde.

So eine Weinprobe privat daheim hab ich noch nie mitgemacht — und das hat was. Gemütlich in einem Wohnzimmer sitzen, Wein probieren, Käse und Brot schnabulieren und — nicht nur — über Wein reden.

Und das Schöne dabei ist, dass ich mir gleich mal einen leckeren Sommerwein bei Ulrich Buck bestellt habe — einen Kerner mit einem herrlich angenehmen Zitrusaroma. Ich wäre dann soweit für den Sommer auf dem Balkon … 😉

Das ist nicht der Kerner, das ist der Silvaner.
Das ist nicht der Kerner, das ist der Silvaner. Optisch kein großer Unterschied, geschmacklich schon. 🙂
Ein Regent aus Tauberfranken.
Ein Regent aus Tauberfranken.

Glaswein ist Bäh

Hab ich neulich beim Trabold gesehen — da kann man Wein im Glas kaufen. Wofür soll das gut sein?

Hab ich neulich beim Trabold gesehen — da kann man Wein im Glas kaufen.  Wofür soll das gut sein? Für Wein to go? Ich verstehe es nicht! Das ist doch Bäh! Und das Ganze auch noch Mitten im Weinanbaugebiet!

Naja, der Glaswein wurde durch die pseudospannende Startup-Show  und Dauerwerbesendung, die “Die Höhle des Löwen”, mitfinanziert — keine weiteren Fragen.
Schlimmer geht es kaum: Wein im Glas von "Le Petit Raisin"

Von Mäusen, Ratten, Priestern und Nachtwächtern

Das InstiDUTT hat am Freitag zu einer Lesung in der Villa Jungnikl geladen, bei der Nachtwächter Mainka Stellen aus seinem Buch zum Besten gibt, unterstützt von von “Mäus-Voice” Cornelia Boese.

Dominik-Cam
Dominik-Cam

Aus dieser Perspektive hat Dominik die Lesung von Wolfgang Mainka und Cornelia Boese verfolgt. Dominik ist eine Kirchenmaus und einer der Protagonisten in Mainkas neuem Buch “Von Mäusen, Ratten und Priestern.”

Cornelia Boese und Wolfgang Mainka.
Cornelia Boese und Wolfgang Mainka.

Das InstiDUTT hat am Freitag zu einer Lesung in der Villa Jungnikl geladen, bei der Nachtwächter Mainka Stellen aus seinem Buch zum Besten gibt, unterstützt von “Mäus-Voice” Cornelia Boese. Und es war ein wundervoll warmer Frühlingsabend, was den Vorteil hatte, dass die Lesung spontan auf die Terasse verlegt wurde — und gleichzeitig den Nachteil, dass wohl viele potenzielle Gäste liebe in den Biergärten, am Grill oder auf der Alten Mainbrücke blieben, als den Weg auf das Bürgerbräu Gelände zu nehmen.

“Von Mäusen, Ratten und Priestern” wird vom Echter-Verlag als Krimi bezeichnet, wobei Wolfgang Mainka selbst das abschwächt. Das Buch handelt von den Mäusen, die im Dom und anderen Würzburger Kirchen leben, von einem weinverliebten Priester, von einem weinwundertätigen Kelch — und ja, dessen Diebstahl das Verbrechen in dem Buch ist –, einer Stockholm-Syndrom-verursachenden Ratte, Trittbrettfahrern, Kammerjägern und und und.

Den vorgelesenen Stellen nach klingt das nach einem unterhaltsamen Buch, dessen Logiklöcher völlig nebensächlich sind, da es mehr um den Spaß mit den unterfränkischen Menschen und Mäusen geht. Ich werde es mal lesen — und die fränkischen Dialoge mit laut im Kopf vorlesen. Dann klingt es besser! 😉

Das Buch gibt es unter anderem da gedruckt zu kaufen

oder als EBook.

Mal die andere Richtung: Abends in der Weinstube Körner

Ich bin ausnahmsweise mal mit dem ÖPNV nicht in die Innenstadt, sondern genauso lang aus der Stadt raus gefahren — und das brachte mir einen sehr schönen Abend in der Weinstube Körner in Randersacker ein.

Gestern Abend habe ich das Verrückte getan — ich bin von der Sanderau mal nicht mit der Straßenbahn in die Stadt gefahren, sondern mit dem Bus aus der Stadt raus, nämlich nach Randersacker. Ja, für mich als eingeschworenes Stadtkind ist das schon eine ganz besondere Sache! 🙂 Die Fahrzeit dorthin ist fast die selbe wie in die Innenstadt — etwa 7 Minuten –, aber trotzdem verschlägt es mich eher selten mal aufs Land.

Weinstube Körner bei Nacht
Weinstube Körner bei Nacht

Komisch eigentlich, denn gestern hatte ich einen sehr schönen Abend in Randersacker. Ich war in der Weinstube Körner, mitten im Ort. Das Wetter war auch am Abend recht angenehm und ich konnte draußen den Blick auf Balthasars Badewanne genießen.

 

Ich hatte bloß etwas die Nachfrage um die Tische draußen unterschätzt — in der Zeit um 19 Uhr sollte man vielleicht doch lieber reservieren. Davor und danach ist doch auch mal ein Tisch auch so frei. Aber ich hatte dann doch Glück — und einen Tisch vor dem Haus.

Und auch das Essen und Trinken konnte ich genießen. Zwei Schoppen Silvaner von den Trockenen Schmitts und zwei Schnäpse aus Mömbris — ist ja auch noch Unterfranken –, und ich war glücklich.

Mehr als glücklich hat mich auch der Bratkartoffelsalat gemacht. Klang beim Lesen der Speisekarte etwa seltsam, ein Salat aus Bratkartoffeln. Aber beim Essen hat er mich völlig überzeugt … sehr lecker.

Bratkartoffelsalat mit Bratwürsten in der Weinstube Körner in Randersacker
Bratkartoffelsalat mit Bratwürsten in der Weinstube Körner in Randersacker

Meine zauberhafte Begleitung hat sich erfolgreich an den Blauen Zipfeln versucht, die gar nicht sehr sauer, sondern angenehm süßlich waren. Und blau. 😉

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Blaue Zipfel

Der Preis für den Abend (Vier Silvaner, vier Schnäpse, zweimal Essen) war der Qualität angemessen, etwa 37 Euro habe ich dort gelassen. Für den sehr freundlichen Service gab es natürlich Trinkgeld! 😉

Wirklich ein sehr angenehmer Abend in der Weinstube Körner, mittlerweile geleitet aus einer Ex-Johanniterbeck-/Ex-Café-zum-schönen-René-Kombination.

Und das Beste war, das der Bus in Randersacker ebenso wie in der Sanderau fast vor der Türe hält. Da hätte ich ja noch einen dritten Silvaner und Schnaps trinken können! 😉

Vielleicht muss ich einfach mal mehr Buslinien stadtauswärts ausprobieren …

Gläser groß und klein
Auch im Dunkeln noch zu finden: Gläser groß und klein