Zaunfrei und Spaß dabei

Zaunfreie ZoneUnd da soll noch einer behaupten, öffentlicher Protest führt zu nichts. In der gestrigen Sitzung hat der Planungsauschuss des Stadtrats die Empfehlung ausgesprochen, keinen Radweg am Kranenkai zu bauen und — aha! — auch keinen Zaun dort zu bauen. Das schon verzaunte Mauerstück soll wieder entzaunt werden und das Material soll anderweitig verwertet werden (vielleicht ein Zaun auf der Mauer der Festung? ;-)). Die Entscheidung fällt aber erst definitiv am Donnerstag in der Stadtratssitzung. Also Daumen drücken!

In der Sitzung sagte Stadtbaurat Baumgart laut Mainpost

“er habe ‘die klare Erkenntnis gewonnen, dass ein Zaun da nicht vermittelbar ist’ “.

Das klingt fast so, als halte er selbst den Zaun nach wie vor für notwendig, oder?

Wie dem auch sei: die Chancen stehen gut für unseren geliebten Kranenkai in Würzburg. Also schwingt euch wieder auf das Mäuerchen und lasst die Beine baumeln — aber nicht hineinfallen, sonst kommt der Zaun doch noch! 😉

Die Zaunkönigin

Es war einmal eine Königin, die regierte eine kleine Stadt, welche idyllisch an einem Fluss gelegen war. Die Einwohner der Stadt feierten gerne. Sie feierten an jeder Ecke in der Stadt, am Ufer des Flusses, am Marktplatz, auf den Straßen. Wenn sie nicht gerade feierten, ruhten sie sich aus — ebenfalls in der ganzen Stadt. Im Sommer saßen sie am Ufer und ließen sich den leckeren Wein schmecken.

Nun sprach die Herrscherin eines Tages: “Lasst uns einen Radweg am Fluss entlang bauen. Und damit niemand beim Radfahren in den Fluss fällt, bauen wir auch einen Zaun an das Ufer. Die Sicherheit meiner Untertanen ist mir wichtig!” Ihre Berater stimmten ihr zu, und so wurde der Zaun gebaut.
Und wiederum sprach die Herrscherin: “Es führen viele Radwege durch die Stadt. Auch dort könnte ein Radfahrer auf die Straße fallen und sich verletzen. Lasst uns die ganzen Radwege einzäunen. Die Sicherheit meiner Untertanen ist mir wichtig!” Und so wurden in der ganzen Stadt Zäune zwischen Radweg und Straße gezogen.
Dann sprach die Königin: “Wenn ein Fest auf dem Markt ist, dann könnte es sein, dass jemand in seiner Ausgelassenheit vor dir Straßenbahn fällt. Lasst uns auch dort und überall, wo die Straßenbahn fährt, einen Zaun bauen. Die Sicherheit meiner Untertanen ist mir wichtig!” Und so wurde auch der Marktplatz und die Straßenbahnschienen eingezäunt.
Die Herrscherin sprach wieder: “Meine Untertanen sprechen gerne dem Rebensaft zu. Ich habe Angst, dass sie berauscht auf die Straßen fallen. Lasst an allen Straßen Zäune errichten. Die Sicherheit meiner Untertanen ist mir wichtig!” Und so würden alle Straßen eingezäunt.
Zuletzt sprach die Herrscherin: “Noch immer habe ich Sorgen um die Sicherheit meiner Bürger. Ihnen kann überall etwas passieren. Lasst um jedes Haus, am besten um jede Wohnung, jeden Platz, jeden Baum und jeden Strauch einen Zaun errichten. Die Sicherheit meiner Untertanen ist mir wichtig!” Ihr Berater stimmten auch hier wieder zu und die Zäune wurden aufgestellt.

Nachdem sie all das gesprochen hatte, ging die Königin hinaus auf die Straße, um sich an der nun sicheren Stadt und ihren wohlbehüteten Untertanen zu erfreuen. Doch draußen sah sie nur Zäune. Die Häuser waren kaum zu erkennen, weil so viele Gitter vor ihnen standen, das Grau der Zäune überdeckte die sonst so bunten Farben. Die wenigen Menschen, die noch in den Straßen umhergingen, kamen nur schwer voran, da sie ständig um Zäune herumgehen mussten. Die Untertanen riefen zu der Herrscherin auf der Straße: “Sie nur, was du angerichtet hast. Nichts kann uns nun passieren, aber wir sind eingesperrt. Sicherheit gegen Freiheit, Enge statt Schönheit — das ist kein guter Tausch!”
Da erkannte die Königin, was sie angerichtet hatte und weinte bitterlich. Noch am selben Tag ließ sie die Zäune abreißen und die Stadt fand wieder zu ihrem bunten Treiben zurück. Die Menschen setzten sich wieder an die Ufer des Flusses und entspannten sich bei dem gitterlosen Blick auf den Sonnenuntergang über der Stadt.