Film,  Kultur

Filmwochenende 2021 – die harten digitalen Fakten

Ich sage es gerade raus, ihr wisst es vermutlich eh schon: das Internationale Filmwochenende in Würzburg findet statt — aber eine Woche lang und ausschließlich online. Die Filme werden im Internet gestreamt. Ja, von Donnerstag, 28. Januar, bis Mittwoch, 3. Februar, trifft  Arthouse-Film auf Netflix, könnte man blasphemisch sagen. Ich erkläre mal, wie das laufen soll. Erst die harten Fakten, in einem weiteren Artikel dann die weichen Hintergründe.

Übersichtliche Filmauswahl

Sucht euch aus dem Online-Programm auf der Webseite des Filmwochenendes einen Film aus. Die  Liste der Film ist wesentlich kürzer als in den Jahren zuvor, etwas ein Drittel der gewohnte Menge steht zu Auswahl, sagte Viviane Bogumil (was für ein wundervoller Name) von der Film-Initiative bei der Online-Pressekonferenz. Sie sprach von 18 Spielfilmen, ich bin beim Zählen auf der Webseite auf 16 Spielfilme (davon zwei in der Nachtschiene) gekommen, dazu sieben Dokumentarfilme, ein Kurzfilmblock und einmal die Selbstgedrehten. 25 Veranstaltungen also meiner Zählung nach, aber alle eben rein digital.

„Karten“ für das Filmwochenende kaufen

So werden einen Tag vor Festivalbeginn die Film-Beschreibungen aussehen – zwei Varianten von Ticket-IDs, den virtuellen Karten, kann man dann dort kaufen.

Hat man dann einen Film — oder mehrere natürlich — gefunden, dann kann man ab Mittwoch, 27. Januar, um 15 Uhr dafür einen Karte kaufen. Ok, Karte stimmt nicht wirklich. Man kauft nämlich eine sogenannte Ticket-ID. Und die gibt es in zwei Varianten, die sich allerdings nur durch den Preis unterscheiden. Die reguläre Ticket-ID  — also die normale „Karte“ — kostet sechs Euro. Wer das Filmwochenende finanziell noch mehr unterstützen will, kauft das Soli-Ticket für zehn Euro.

Der Kauf findet ausschließlich über die Webseite des Filmwochenendes statt. Ab Mittwoch sind auf bei den Filmbeschreibungen die Knöpfe für den Kauf der Ticket-IDs zu sehen. Draufklicken und dann bezahlen. Mit Kreditkarte oder dem Online-Bezahldienst Paypal. Weitere Bezahlmöglichkeiten gibt es nicht. „Wir können personell und organisatorisch nicht mehr anbieten“, sagte Film-Ini-Vorsitzender Thomas Schulz. Die Ticket-ID ist aber übertragbar, man kann also für andere welche kaufen.

Hat man bezahlt, bekommt man eine Ticket-ID, einen Buchstaben-Zahlen-Code, auf den Bildschirm und per E-Mail. Den gut aufheben, aber das würde für eine Papierkarte auch gelten.

Das mit dem Soli-Ticket sollten sich auch Freunde des Central Programmkinos überlegen. Die Film-Initiative will dem Kino einen Teil der im Herbst für das Filmwochenende ausgemachten Miete überweisen, das sagte Thomas in der Pressekonferenz. Ich vermute, dass der Teil um so großer wird, je mehr Einnahmen das digitale Filmfest bringen wird.

Beschränkungen

Von Kinobesuch kennt man das ja — irgendwann ist der Saal voll. Um dieser doofen Eigenschaft unserer physischen Welt Rechnung zu tragen, gibt es auch im echten Leben nur eine begrenzte Anzahl an Kinokarten. Nun sollte man meinen, dass ein Filmfestival im digitalen Raum diesen Beschränkungen nicht unterliegt. Damit liegt man aber nur teilweise richtig. Denn schwerer als eine tiefgreifende Regel wie das Pauli-Prinzip in der realen Welt greifen beim Streaming die Bedingungen der Filmverleiher. Und die bestehen bei manchen Filmen auf eine „Klickzahlbegrenzung“ — von 100 bis 500 erlaubte Klicks bzw. Ticket-Verkäufe — oder auf Geoblocking.

Aber so kommt doch ein wohlbekannter und überaus beliebter Bestandteil des Filmwochenende auch in diesem Jahr ins Spiel: Der Zeitdruck und Stress beim Kartenkauf. Wer also einen oder mehrere dieser Filme gerne sehen will, sollte sicherheitshalber sich gleich am Mittwoch um 15 Uhr an den Rechner setzen:

Den Rest kann sich eine beliebig große Zuschauerzahl anschauen, da kann man also ganz entspannt oder ganz spontan irgendwann im Festivalzeitraum das Ticket kaufen.

Film anschauen

Bis zu diesem Punkt hätte alles auch ähnliche auf dem Filmwochenende in der Welt aus Fleisch und Blut abspielen können. Doch jetzt kommt der ungewohnte Teil — man schaut sich den Film daheim an. Und zwar irgendwann ab Beginn des Festivals am Donnerstag, 28. Januar bzw. des Kaufs der Ticket-ID und dem Ende des Filmwochenendes am 3. Februar. Auf der Filmwochenende-Webseite gibt man beim Film die Ticket-ID an und kann sich ab dann den Film 24 Stunden lang anschauen.

Durch eine Plexiglasscheibe getrennter Film-Initiativen-Vorstand: Thomas Schulz und Viviane Bogumil.

Mit allen Vorteilen des digitalen Filmschauens. „Man kann mal pausieren, wenn der DHL-Bote an der Tür klingelt oder zurückspulen, wenn man eine Szene ein zweites Mal sehen will“, erklärte Viviane, „das ist etwas, was man im Kinosaal nicht konnte.“ Und mit allen Nachteilen des digitalen Filmschauens: Man schaut den Film so alleine an, wie es die Corona-Regeln erlauben. Eine Möglichkeit zum Austausch vor, während oder nach dem Anschauen des Films oder andere interaktiven Elemente sind nicht vorgesehen. Zu machen Filme gibt es davor aber Grußbotschaften der Filmmacher per Video, eigens für das Würzburger Filmwochenende.

Die Filme werden von der Münchner Firma Pantaflix gestreamt. Und anschauen kann man sich die Filme nach Aussage der Film-Ini auf allem, was einen halbwegs aktuellen Browser hat — Notebooks, Tablets, Smartphones, SmartTVs, etc. Wenn es technische Probleme gibt, kann man die Support-Hotline des Filmwochenendes anrufen. Nicht rund um die Uhr und ehrenamtlich besetzt — darum bitte ausnahmeweise freundlich an der Hotline bleiben.

Der Wettbewerb

Den Wettbewerb gibt es auch in diesem Jahr. Statt diese Papierstimmzettel gibt es für die Film-Fans beim Schauen des gestreamen Film die Möglichkeit, den Streifen über die bewährten und bekannte Sterne-Skala zu bewerten.

Filmwochenende und Schule

Die Schulen beziehungsweise die Schülerinnen und Schüler wurden vom Filmwochenende nicht vergessen. Mit dem Kommunalen Medienzentrum Würzburg hat die Film-Initiative eine Auswahl an Filmen für Kinder und Jugendliche zusammengestellt — noch ist die Liste aber nicht online.

Dazu gibt es in Kooperation mit dem DOK.fest München vorbereitete Online-Unterrichtseinheiten und für junge Leute im Alter von 12 – 22 Jahren (Mist!) einen „Online-Workshop für jugendliche Filmemacher*innen“ am 30. Januar. Zu dem kostenlosen Workshop muss man sich aber extra anmelden. Die Infos für zu dem Angebot für Schülerinnen und Schüler findet ihr auf der Webseite des Filmwochenendes.

Das gedruckte Programm

Ja, es gibt es wirklich, das gedruckte Programm des digitalen Filmwochenendes. Aus irgendeinem Grund wollte die Film-Ini nicht darauf verzichten. Einzig eine der Begründungen von Viviane während der Pressekonferenz lasse ich gelten: Im Programmheft findet sich ein Nachruf auf das langjährige und prägende Mitglied der Film-Initiative, Berthold Kremmler. „Er ist ein großer Freund des gedruckten Worts gewesen. Ich glaube, er hätte sich im Grabe umgedreht, wenn es ausgerechnet in diesem Jahr kein  Programmheft gegeben hätte“, sagte Viviane. „Schon allein deswegen war uns das ganz, ganz wichtig.“ Das gedruckte Programm gibt zum Selbstabholen vor dem Central Programmkino, der den Buchhandlungen in der Innenstadt an den Click & Collect-Stationen und als Main-Post-Beilage am Samstag (also gestern).

Blogger, Podcaster, Webentwickler und freier Journalist

3 Kommentare

  • Annalena aus WÜ

    Auch von mir Danke für den klasse Überblick über das ungewöhnlich Filmwochenende. Und meinen Dank und Respekt an die Festivalmacher, diesen mutigen Schritt zu einem virtuellen Filmwochenende zu gehen. Ich kann nur hoffen dass sich die Mühe einigermaßen auszahlen wird.

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